Nach der Flucht droht Blindheit / Christoffel-Blindenmission unterstützt Trachom-Behandlungen in Flüchtlingslager im Südsudan

Jeder Lidschlag schmerzt. Njelietts Wimpern haben sich infolge des fortgeschrittenen Trachoms nach innen gedreht und reiben bei jedem Lidschlag schmerzhaft auf der Hornhaut. Die Schmerzen sind so stark, dass ihre Tochter ihr regelmäßig die Wimpern mit einer Pinzette auszupft.
Die Witwe lebt mit zwei ihrer sieben Kinder im Rubkona-Flüchtlingslager im Norden des Südsudan, teilt sich ein Zelt mit der Familie ihres Bruders. Viele Menschen leben dort seit Jahren unter prekären Bedingungen, Wasser ist knapp, sanitäre Anlagen gibt es kaum. Fliegen schwirren um offene Abwassergräben und Latrinen. Wo Trachom bereits vorkommt, kann sich die Krankheit unter schlechten hygienischen Bedingungen besonders leicht ausbreiten.
Zweimal vor Krieg geflohen
Während des Bürgerkriegs im Südsudan floh Njeliett mit ihrer Familie nach Khartum im Sudan. Doch als dort Krieg ausbrach, musste sie wieder alles zurücklassen. Einige ihrer Kinder blieben im Sudan zurück. Von ihnen hat sie seit langer Zeit nichts mehr gehört.
\“Flucht bedeutet oft jahrelanges Leben unter extrem schwierigen Bedingungen\“, sagt der Leiter der Humanitären Hilfe bei CBM, Till Küster.\“Überfüllte Lager, fehlendes sauberes Wasser und schlechte Hygiene fördern die Verbreitung von Krankheiten wie Trachom massiv. Genau deshalb ist medizinische Hilfe, aber auch Hygienemaßnahmen und Präventionsarbeit dort so wichtig.\“
Operation rettet verbleibendes Augenlicht
Ein von der CBM unterstütztes mobiles Augen-Team untersucht Njeliett im Gesundheitszentrum des Camps. Der Augenarzt erkennt sofort: Ohne Behandlung droht sie zu erblinden. Noch am selben Tag wird sie operiert.
Der Eingriff kann ihr verlorenes Sehvermögen nicht zurückbringen, aber er verhindert weitere Schäden an der Hornhaut. Als die Augenverbände entfernt werden, lächelt Njeliett erleichtert.\“Ich hoffe, dass ich jetzt wieder für meine Familie da sein kann\“, sagt sie.
Hilfe in Krisengebieten
Laut Weltgesundheitsorganisation leben weltweit mehr als 97 Millionen Menschen in Trachom-Risikogebieten. Bis 2030 will die CBM die Ausbreitung der Krankheit eindämmen – durch Operationen, Antibiotika sowie Aufklärung zu Hygiene und Sanitärversorgung. Gerade in Flüchtlingslagern ist diese Hilfe entscheidend, um Menschen vor Blindheit zu schützen.
Auchüber die Trachom-Bekämpfung hinaus leistet die CBM humanitäre Hilfe in Krisengebieten. 2024 erhielten mehr als 718.000 Menschen humanitäre Hilfe durch die CBM. Sie bekamen Bargeld und Gutscheine sowie Lebens-, Haushalts- und Hygienemittel oder wurden medizinisch versorgt.
Über die CBM
Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den international führenden Organisationen für inklusive Entwicklungszusammenarbeit. Sie unterstützt Menschen mit Behinderungen in den ärmsten Ländern der Welt – und das seit fast 120 Jahren. Gemeinsam mit ihren lokalen Partnern sorgt sie dafür, dass sich das Leben von Menschen mit Behinderungen grundlegend und dauerhaft verbessert. Sie leistet medizinische Hilfe und setzt sich für gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe ein. Ziel ist eine inklusive Welt, in der Menschen mit und ohne Behinderungen ihre Fähigkeiten einbringen können und niemand zurückgelassen wird. Im Jahr 2024 förderte die CBM 330 Projekte in 37 Ländern. Mehr unter www.cbm.de.
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