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Mittelbayerische Zeitung: Trump fährt Achterbahn / Der US-Präsident behandelt Kim Jong-Un plötzlich auf Augenhöhe.

Die strategische Achterbahnfahrt in der
Nordkorea-Politik des Präsidenten nimmt eine neue Wendung. Auf einmal
hat Trump \“keine Eile\“ mehr bei der nuklearen Abrüstung des Regimes
in Pjöngjang, das nach Schätzung von Experten und Geheimdiensten
bereits 65 Atomsprengköpfe besitzt. Es könnten gut auch mehr sein –
weshalb eine Inventarisierung bis vor Kurzem noch eine zentrale
Forderung der USA war. Vor dem zweiten Gipfel mit Kim Jong-Un in
Hanoi ist auch davon keine Rede mehr. Stattdessen gibt der
US-Präsident eine überraschende Milde im Umgang mit dem brutalen
Regime zu erkennen. Das ist nicht die erste scharfe Kehrtwende.
Nachdem Trump Nordkorea 2017 vor den Vereinten Nationen noch mit der
nuklearen Vernichtung gedroht hatte, erklärte er sich wenige Monate
später ohne erkennbare Gegenleistung zu einem Treffen mit Kim Jong-Un
bereit. Zum Entsetzen seiner eigenen Experten wertete er das Regime
mit einem substanzarmen Schaufenstergipfel in Singapur auf. Er
verschaffte dem Diktator die große internationale Bühne, die andere
US-Präsidenten dem Vater und Großvater Kims aus gutem Grund
verweigert hatten. Anschließend verkündete Trump, dank seines
Verhandlungsgeschicks ginge von Nordkorea nun \“keine nukleare
Bedrohung mehr aus.\“ Diese Einschätzung teilen weder sein Nationaler
Sicherheitsberater John Bolton noch im vollem Umfang Außenminister
Mike Pompeo. Letzterer beantwortete am Wochenende gegenüber dem
Nachrichtensender CNN die Frage, ob von Nordkorea weiterhin eine
nukleare Bedrohung ausgehe, mit einem eindeutigen \“Ja\“. Dennoch legt
sich auch Pompeo in Trumps jüngste Steilkurve. Laut \“New York Times\“
gibt der Außenminister nun intern die Parole aus, froh zu sein, wenn
Pjöngjang \“nur 60 Prozent\“ von dem aufgebe, was die USA einmal
verlangt hätten. Gewiss ist die damit verbundene Hinwendung zu einer
traditionellen Nordkorea-Politik ein willkommener Fortschritt. Nur
Trump hat mit seiner unkonventionellen Gipfel-Diplomatie Kim einen
wichtigen Anreiz genommen. Während dessen Vorgänger ein Treffen mit
dem US-Präsidenten \“verdienen\“ mussten, behandelt Trump den Diktator
ohne Vorbedingung auf Augenhöhe. Ganz besonders beunruhigt Analysten
die Möglichkeit, Trump könne in Hanoi spontan weitere strategische
Verhandlungsmasse vergeuden. Allen voran die Überführung des
Waffenstillstands in einen Friedensschluss auf der koreanischen
Halbinsel. Trumps Achterbahnfahrt in der Nordkorea-Diplomatie steht
im krassen Gegensatz zu den klaren Einschätzungen der amerikanischen
Geheimdienste. Diese haben dem Kongress in ihrer internationalen
Bedrohungsanalyse gerade erst dargelegt, warum sie es für \“höchst
unwahrscheinlich\“ halten, dass Kim seine Atomwaffen aufgebe. Das
Regime in Pjöngjang erkenne darin seine Überlebensstrategie, lautet
die unmissverständliche Botschaft. Vor dem zweiten Treffen zwischen
Trump und Kim stellen sich zahlreiche Beobachter die Frage, ob die
einstmals erhobene Forderung nach einer \“vollständigen, überprüfbaren
nuklearen Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel\“ noch das Ziel der
Nordkorea-Politik des US-Präsidenten bleibt. Es besteht der dringende
Verdacht, dass Trump in Hanoi nicht viel mehr als einen zweiten
Schaufenster-Gipfel abhält. Ein politisches Spektakel, das darauf
abzielt, von seinen Nöten in der Russland-Affäre abzulenken und
seinen narzisstischen Hunger nach Anerkennung zu stillen. Leider hat
Trump damit nicht die Welt, sondern nur die Macht eines brutalen
Diktators sicherer gemacht.

Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
Redaktion
Telefon: +49 941 / 207 6023
nachrichten@mittelbayerische.de

Original-Content von: Mittelbayerische Zeitung, übermittelt durch news aktuell

Posted by on 26. Februar 2019.

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Categories: Politik & Gesellschaft

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