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Medikamente in der häuslichen Pflege – Gesundheitsrisiken für Patienten und Angehörige

Drei Viertel der befragten pflegenden Angehörigen
übernehmen regelmäßig Aufgaben in der Medikamentenversorgung. Dies
empfinden 66 Prozent von ihnen als schwierig oder belastend. 77
Prozent aller Befragten berichten von Problemen im
Medikationsprozess. Risiken sowohl für die Gesundheit der
Pflegebedürftigen als auch für die der Angehörigen folgen daraus.

Für über 90 Prozent der älteren pflegebedürftigen Menschen in
Deutschland gehört die Anwendung von Medikamenten zum Alltag. Viele
von ihnen bekommen fünf oder mehr Wirkstoffe über einen längeren
Zeitraum verordnet. Dies birgt nicht nur gesundheitliche Gefahren
durch mögliche Wechselwirkungen. Auch der oft komplexe
Medikationsprozess – von der Verordnung, dem Richten bis hin zur
Einnahme der Medikamente – ist gerade für diese Patienten
fehleranfällig. Dies nicht zuletzt, weil daran häufig auch mehrere
unterschiedliche Akteure beteiligt sind: etwa Ärzte, Pflegekräfte,
Apotheker und pflegende Angehörige sowie Pflegebedürftige selbst.
Entsprechend drohen Missverständnisse und Irrtümer. Deshalb wird die
Medikation als besonderer Risikobereich für die Patientensicherheit
eingeschätzt.

Das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) hat nun in einer
deutschlandweiten Studie bei über 1.000 pflegenden Angehörigen
untersucht, welche Erfahrungen diese mit dem Medikamenteneinsatz in
der häuslichen Pflege machen. Die Ergebnisse zeigen, dass sich 76
Prozent von ihnen regelmäßig am Medikationsprozess der
Pflegebedürftigen beteiligen. Dabei helfen 63 Prozent der
involvierten Befragten in solchen Bereichen, die sie für sich selbst
als teilweise schwierig einschätzen. Knapp ein Viertel (23 Prozent)
empfindet die Hilfe rund um Medikamente als eher oder sogar sehr
belastend.

Dazu erklärt Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP: \“Die
Analyse unterstreicht, dass für viele der etwa 3,4 Millionen
pflegebedürftigen Menschen in Deutschland Angehörige eine zentrale
Rolle bei der Sicherstellung eines richtigen Umgangs mit Medikamenten
spielen.\“ Oft ist hierbei allerdings keine professionelle
pflegerische Unterstützung eingebunden. So gaben 64 Prozent der
Studienteilnehmer an, dass keine Pflegekraft regelmäßig an der
Versorgung beteiligt sei. \“Es ist nicht trivial, Verantwortung für
die richtige Medikamenteneinnahme zu tragen, zum Beispiel für
Zeitpunkt und Dosis. Schwierig wird es insbesondere, wenn die
pflegebedürftige Person vielleicht schlecht greifen oder schlucken
kann, die Medikamente immer wieder vergisst oder nicht einnehmen
möchte. Dadurch droht anhaltender Stress, der sich auch auf die
Gesundheit der Angehörigen negativ auswirken kann\“, so Suhr weiter.
In der Studie werden von einem erheblichen Anteil der Befragten unter
anderem folgende Unterstützungsaufgaben oft oder immer erbracht:
1. \“Medikamente aus der Apotheke besorgen\“ (53 Prozent); 2. \“Rezept
beim Arzt abholen\“ (47 Prozent); 3. \“Medikamente richten\“ sowie \“Über
Medikamente aufklären\“ (je 39 Prozent); 4. \“Sich über Folgen von
verordneten Medikamente informieren\“ (38 Prozent); 5. \“Medikamente
bereitstellen\“ sowie \“An Medikamenteneinnahme erinnern\“ (je 34
Prozent). Es kommt dabei regelmäßig vor, dass gleich mehrere solcher
Aufgaben übernommen werden.

Neben der Frage nach der Wahrnehmung der eigenen Situation wurden
die Angehörigen auch um Angaben gebeten, ob und welche
sicherheitsrelevanten Probleme sie im Medikationsprozess wahrgenommen
haben. Von mindestens einem solchen Problem im letzten halben Jahr
berichten 77 Prozent der Befragten. Gut ein Drittel sagt, dies sei
gelegentlich oder sogar oft passiert. Am häufigsten trat demnach auf:
1. Ein benötigtes \“Medikament war aufgebraucht\“ (51 Prozent); 2. \“Ein
Medikament wurde zum falschen Zeitpunkt angewendet\“ (36 Prozent);
3.\“Pflegebedürftige Person lehnte Medikament ab\“ (33 Prozent); 4.
\“Zweifel, ob das Medikament angezeigt war\“ (32 Prozent). Aber auch
Abstimmungsdefizite mit anderen beteiligten Akteuren oder falsche
Dosierungen werden als Probleme benannt.

Ralf Suhr dazu: \“In Forschung und Ausbildung, aber auch in den
Angeboten des Gesundheitswesens müssen wir die Medikationssituation
in der häuslichen Pflege als doppelte Präventionsgelegenheit
verstehen. Hier bieten sich Chancen, die Gesundheit sowohl von
pflegebedürftigen Menschen als auch von pflegenden Angehörigen besser
zu schützen.\“

Pressekontakt:
Torben Lenz
Tel.: 030 275 93 95 – 15
E-Mail: torben.lenz@zqp.de

Original-Content von: Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege, übermittelt durch news aktuell

Posted by on 24. Juni 2019.

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Categories: Gesundheit & Medizin

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