IINews



« | »

Marktreif, aber ungebaut: Das Berliner Innovations-Forum und die Anwendungslücke der Bauwende / Schirmherr war der Regierende Bürgermeister Kai Wegner

 

Drittes Inno-Forum der Innovations-Offensive 2026 am 1. Juli bei Schüco in Berlin – Schirmherr war der Regierende Bürgermeister Kai Wegner

Trotz 41 präsentierter marktreifer Lösungen für serielles Bauen und Sanieren sehen Experten die größte Hürde nicht in der Technologie, sondern in Finanzierung, Genehmigung und Anwendung.

Am 1. Juli kam die Innovations-Offensive 2026 zu ihrem dritten Forum bei Schüco in Berlin zusammen – nach NRW und Hamburg, und vor drei weiteren Stationen in der zweiten Jahreshälfte. Zwölf marktreife Bauwende-Innovationen trafen auf ihre möglichen Abnehmer aus Wohnungswirtschaft, Projektentwicklung, Industrie und Politik. Getragen wird die Reihe von Neues Bauen- 80 Sekunden gemeinsam mit dem dena-Kompetenzzentrum Serielle Sanierung / Energiesprong DE; die Schirmherrschaft des Berliner Forums lag beim Regierenden Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner. Das Berliner Innovations-Forum eingeschlossen, wurden bislang 41 Innovationen für serielles Bauen und Sanieren präsentiert und in kuratierten Tischrunden direkt mit konkreten Projekten zusammengeführt. Dieser Ansatz setzt ein klares Zeichen: Die Existenz der Lösungen steht nicht mehr zur Debatte – im Fokus steht jetzt ihre praktische Anwendung.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, der am Nachmittag ein Grußwort sprach, erklärte:

\“Berlin braucht dringend neuen und bezahlbaren Wohnraum. Der Senat hat dafür zentrale Reformen wie eine neue Bauordnung, das Schneller-Bauen-Gesetz und das Einfach-Bauen-Gesetz beschlossen, die das Bauen beschleunigen und vereinfachen. Berlin setzt dabei auch auf modulare und serielle Bauweisen, um die Kosten zu senken und Bauprozesse zu verkürzen. Um unsere Ziele zu erreichen, müssen wir gemeinsam handeln – Politik, Verwaltung und Bauwirtschaft.\“

Die Innovatoren

Geordnet waren die Pitches nach drei Leitfragen, an denen sich serielles Bauen und Sanieren messen lassen muss: Geschwindigkeit, Kosten, Klimaneutralität. Alle gezeigten Lösungen sind marktreif und unmittelbar einsetzbar; nach jedem Block kürte das Publikum seinen Favoriten:

Schneller: Fünf Prozent – bündelt energetische Sanierung im Quartier und verleiht gemeinschaftlichem Sanieren mehr Rentabilität.

Preiswerter: navou -überführt mit einem standardisierten, lizenzierbaren System Leerstände in energiekonformen Wohnraum.

Klimaneutral: TRIQBRIQ – setzt auf ein demontierbares Massivholzsystem, das sich nach dem Rückbau andernorts erneut errichten lässt.

Das weitere Teilnehmerfeld

Wie vielfältig das bereits Verfügbare ist, zeigte die Bandbreite der zwölf Pitches. Bei der Geschwindigkeit erschloss Madaster über ein digitales Materialregister verbaute Bauteile für die Wiederverwendung, statt sie dem Abriss zu überlassen; b-solution verhalf mehrgeschossigem Holzbau zu Planbarkeit und Serienreife; Stockwerk+ verwandelte ungenutzte Dachflächen in bezahlbaren Wohnraum.

Bei den Kosten stand dcarbonize für eine leichtere, flexiblere und günstigere Generation der seriellen Sanierung; Frigotrol lieferte modulare Energiezentralen\“Made in Germany\“; Heirocc vereinte serielle Sanierung und Nachverdichtung in einem Bauprozess – mehr Wohnfläche bei geringerem Energieverbrauch.

Bei der Klimaneutralität industrialisierte STRAMEN.TEC den Innenausbau mit vorgefertigten Strohfaser-Systemwänden; CarbonHeat entwickelte eine nanotechnologische Infrarotheizung für die Wand; Wienerberger gewann mit\“Revi-Brick\“wiederverwendete Ziegel aus Bestandsgebäuden zurück – bei kaum zu unterbietendem CO2-Fußabdruck.

Wild-Card, nominiert vom Beiratüber Dr. Philipp Tilleßen (KfW): Nanolope verwandelt Gebäude ohne kritische Rohstoffe in intelligente Wärmespeicher.

Was drei Foren ergeben

Wie groß das Potenzial der vorgestellten Lösungen ist, brachte Matthias Effinger (Schüco International KG) auf den Punkt:

\“Das Innovationsforum Berlin/Brandenburg hat gezeigt, dass bereits sehr gute Lösungen für die Bauwende entwickelt wurden. Die vorgestellten Ansätze haben das große Potenzial für einfacheres, schnelleres, bezahlbares und nachhaltiges Bauen deutlich gemacht. Jetzt kommt es darauf an, diese Innovationen schnell in die Praxis zu bringen und erfolgreich zu skalieren.\“

Nimmt man die Foren zusammen, entsteht ein Inventar des bereits Möglichen – unabhängig davon, wer es anbietet. Auf der Bühne standen digitale Materialpässe, die jedes verbaute Bauteil dokumentieren und den Bestand für die Kreislaufwirtschaft erschließen; serielle Fassaden- und Dachmodule, die ganze Gebäudehüllen energetisch ertüchtigen,ohne dass Bewohner ausziehen müssen; vorgefertigte, rückbaubare Massivholzsysteme, die rasch errichtet und am Lebensende sortenrein wieder zerlegt werden; Verfahren zur seriellen Aufstockung und zur Wärmeversorgung, die Bestandsgebäude verdichten und dekarbonisieren; und der erste mobile Mauerwerksroboter Europas, der das Aufmauern ganzer Wände unmittelbar auf die Baustelle zurückholt. Das ist kein Katalog von Prototypen, sondern von Produkten.

Der gemeinsame Nenner der drei Foren ist unbequem: Das Angebot existiert, die Nachfrage weiß darum – und dennoch bleibt die Lücke zwischen beidem bestehen. Sie ist keine technische, sondern eine organisatorische: eine Frage von Finanzierung, Genehmigung und der Bereitschaft, vom Einzelfall zur Wiederholung überzugehen.

Christian Stolte, Leiter des dena-Bereichs Klimaneutrale Gebäude, befasst sich tagtäglich mit Strategien, Instrumenten und konkreten Maßnahmen, um den Gebäudebereich klimaneutral zu machen. Er kommentierte:

\“Der Umbau des Gebäudebestands in Richtung Klimaneutralität ist eine der größten Baustellen der Energiewende. Serielles Bauen und Sanieren sind wichtige Hebel, die sie beherrschbar machen: standardisiert, planbar und zukunftsfähig. Bei einem schnellen Markthochlauf lassen sich mit seriellen Sanierungenbis 2045 jährlich rund 30 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Das macht Deutschland unabhängiger von Energieimporten. Was wir heute hier gesehen haben, ist marktreif und zeigt, dass wir den Gebäudesektor transformieren können. Jetzt geht es darum, diese Lösungen zügig in die Flächezu bringen.\“

Das Fazit zog Robert Kroth, Geschäftsführer von Neues Bauen – 80 Sekunden:

\“Die Serie ist im Bauen nicht neu – seitüber einem Jahrhundert hat die Moderne den Neubau immer wieder typisiert und vorgefertigt. Neu ist, dass dieselbe Logik heute beidem gilt, dem Neubau wie dem Bestand: Was sich rechnen und skalieren lässt, taugt für die leere Fläche ebenso wie für das bewohnte Haus. Was auf den drei Foren zu sehen war, ist genau diese Serie für Neubau und Sanierung gleichermaßen – nicht Fließband statt Architektur, sondern Verlässlichkeit statt Zufall. Erst sie übersetzt die Größenordnung des Problems in die Wiederholbarkeit der Lösung – und macht zur planbaren Aufgabe, was bislang als Ausnahme galt: schneller, günstiger und klimaeffizienter mehr Wohnraum zu schaffen und den Sanierungsstau aufzulösen.\“

Ausblick

Mit der zweiten Jahreshälfte bewegt sich die Offensive in zwei Richtungen: nach Süden mit Baden-Württemberg (KW 42) und Bayern (KW 44), nach Osten mit Thüringen (KW 47). Die Aufgabe bleibt gleich, die Vorzeichen wechseln: Im Süden, wo der industrielle Mittelstand stark ist, zeigt sich, ob marktreife Verfahren dort ankommen, wo industrielle Fertigung längst zuhause ist. Im Osten verschiebt sich die Frage – Wohnungsmarkt und Sanierungsbedarf stehen hier in einem anderen Verhältnis als in den wachsenden Ballungsräumen des Westens und stellen die Übertragbarkeit der Lösungen auf eine eigeneProbe.

Pressekontakt:

Hannah-Louisa Hochbaum
+49 178 183 10 89
presse@digitalis365.com

Original-Contentvon: Neues Bauen – 80 Sekunden,übermittelt durch news aktuell

Posted by on 2. Juli 2026.

Tags: , , , , ,

Categories: Allgemein

No Responses Yet

You must be logged in to post a comment.

« | »




Neueste Beiträge


Seiten



fabino - News von Erzeugern und Herstellern von Lebensmitteln, Getränken und Zutaten