Lubera Süsskartoffeln – SüsseÜberraschungen

Resilienz
Wenn sich eine Sorte als für unser Klima tauglich erwiesen hat, dann hindert sie fast nichts mehr an einer regelmässigen Produktion. Natürliche Fressfeinde gibt es so weit von der subtropischen Heimat entfernt kaum. Aber auch Trockenheit und Nässe können den tropischen Knollen erstaunlich wenig anhaben. Vereinzelt haben wir Schäden durch Mäuse gesehen – wobei das frisch gepflanzte Jungpflanzen betraf, nicht wirklich die Knollen.
Und die schönste Erfahrung: Die Nässe und Kälte im Juli 2025 drückten nicht auf den Ertrag. Und nach einem Hagelschlag ein Jahr früher, ebenfalls im Juli, der alle Triebe auf 10 cm Höhe abschlug, reagierte unser ganzes Süsskartoffelfeld unisono und souverän: Es bildete in kürzester Zeit wieder einen deckenden Triebteppich aus und produzierte Knollen wie jedes Jahr, vielleicht mit einem um 10 % tieferen Ertrag.
Diversität
In der Süsskartoffelpflanze steckt eine gigantische Diversität. Kein Wunder:_Ipomoea batatas_ist eine hexaploide Art mit einem sechsfachen Chromosomensatz. Damit stecken die Süsskartoffeln randvoll mit Überraschungen, die es züchterisch zu entdecken gilt. Es stecken einfach so viele, sich teilweise auch widersprechende und miteinander interagierende Informationen in der Süsskartoffel, so dass nur wenig voraussehbar, aber auch sehr viel möglich ist.
Auch spannend: Die Farbe der Blätter und Triebspitzen, die Schalenfarbe und auch die Fruchtfleischfarbe werden alle separat gesteuert. Es ist also nicht zu erwarten, dass eine rotfleischige Sorte unbedingt auch rote Triebspitzen und eine rote Schale haben muss. Nochmals: Alles ist möglich, fast nichts ist unmöglich.
Dazu kommen diverse Blattformen, von schaufelförmig über herzförmig bis hin zu geschlitzt. Und wir haben auch einige Pflanzen gefunden, die regelmässig viele Blüten machen, sowie andere, die eben nicht den bekannten Triebteppich bilden, sondern kompakt 50 bis 100 cm hoch/breit wachsen – teilweise ohne grosse Ertragsverluste (Beispiel:Sugabeauty Orange Lady).
Lagerfähigkeit
Am Ende sind Süsskartoffeln viel einfacher lagerfähig als Kartoffeln, vor allem für Gartenbesitzer. Das Curing mag noch etwas kompliziert sein: Gesunde, unverletzte Knollen werden nach der Ernte etwa eine Woche lang bei über 25 °C und hoher Luftfeuchtigkeit gelagert (zum Beispiel im Badezimmer). Danach können die Süsskartoffeln jedoch fast problemlos und erstaunlich lange aufbewahrt werden.
Wir hatten einmal in unserem Haus in Bad Zwischenahn im Spätherbst Süsskartoffeln im Heizungsraum gelagert – und sie zufällig ein Jahr später wiederentdeckt. Alles noch in geniessbarer, guter Qualität.
Nur eine Bedingung muss eingehalten werden: Die Lagerung muss warm erfolgen, idealerweise bei leicht reduzierter Zimmertemperatur (16-18°C). Die für uns gedanklich naheliegende Kühllagerung ist für Süsskartoffeln tödlich. Kein Wunder: Solche Kälte haben sie ganz einfach nie kennengelernt.
Vermehrbarkeit
Das muss ich mir jetzt gutüberlegen. Aber ich hatte schon immer eine Schwäche dafür, Geheimnisse einfach um der Freude willen auszuplaudern.
Süsskartoffeln können ganz einfach vermehrt werden: Einfach bei bedecktem Wetter und feuchtem Boden von bereits etablierten Pflanzen zwischen Mitte Mai und Anfang Juni etwa 15-20 cm lange Triebstücke (sogenannte Slips) zurechtschneiden und in den feuchten Boden stecken.
Wir haben das wiederholt ausprobiert: Das funktioniert zu fast 100 %, vorausgesetzt, du erwischst eine etwas kühlere Wetterperiode mit nicht allzu viel direkter Sonneneinstrahlung. Und der Ertrag? Etwa 90 % von früher gepflanzten Süsskartoffeln, dafür oft regelmässigere, uniformere Knollen, da die Slips nicht in einem begrenzenden Topf gestartet sind.
Die beste Vorgehensweise: Einige Jungpflanzen kaufen, dann bei warmem Wetter auspflanzen oder zunächst im Gewächshaus weitertreiben. Anschliessend die Triebe abernten und sowohl die Topfpflanzen als auch die Slips gleichzeitig auspflanzen – das ist bis Mitte Juni möglich. Die Süsskartoffel brauchen dann ca. 100 Tage für einen vollen Ertrag.
Ach ja, bitte nicht weitersagen…
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