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Lausitzer Rundschau: Wort der Hirten, nicht der Herde Zur Sozialinitiative der Kirchen

Wer sind „die Kirchen“? Wer spricht, wenn „die
Kirchen“ sich in die Politik einmischen? Bei der am Freitag
veröffentlichen Sozialinitiative von evangelischer und katholischer
Kirche sind es die Führungsgremien, die Oberhirten. Hier spricht
nicht die Herde. Nicht, dass die Kirchenführer sich nicht in die
Politik einmischen dürften. Das müssen sie sogar. Die Religion ist
nicht nur für das Jenseits da. Sondern auch und gerade für das
Diesseits. Das Christentum vertritt Werte. Der Mensch im Mittelpunkt,
die Fürsorge, Friede, Liebe und Barmherzigkeit, der Schutz der
Schöpfung. Es ist richtig, wenn die Kirchen diese Werte anmahnen, wo
immer sie sie gefährdet sehen. Das war 1997 überfällig, als der
Neoliberalismus sich anschickte, den Menschen, sein Leben, seine
Arbeitsbedingungen, seine ganze Existenz den Bedingungen der
Wirtschaft unterzuordnen. Flexibilität hieß damals das Zauberwort,
das oft nur optimale Ausnutzung meinte. Es war richtig, dagegen die
christlichen Werte hochzuhalten. Und es ist genauso auch jetzt
richtig, den Wildwuchs der Finanzmärkte anzuprangern, das Primat der
Politik gegen sie einzufordern und zu verlangen, dass nicht Gier und
Maßlosigkeit das wirtschaftliche Handeln bestimmen. Sondern
Fortschritt, soziale Teilhabe, die Erarbeitung von Lebenschancen,
auch Gerechtigkeit. Und wenn die Finanzmarktregulierung irgendwann
einmal geschafft sein sollte, wird es die nächste Aufgabe der Kirchen
sein, die Menschen und ihre weltlichen Führer darüber zum Nachdenken
zu bringen, dass die Ungleichgewichte in der globalen Entwicklung
nicht nur moralisch verwerflich sind, sondern auch das Leben auf der
Erde insgesamt gefährden. Das alles müssen und dürfen „die Kirchen“
ansprechen, und sie müssen und dürfen amtierende Regierungen mit
ihren Mahnungen unter Druck setzen. Jedenfalls dürfen sie das in
einer Gesellschaft, die das Christentum zu ihren stärksten
Fundamenten zählt. Ihr Mittel dafür ist das überzeugende Wort wie
diese Sozialinitiative, ist die Predigt, ist auch das Gebet. Aber die
Kirchenführer sollten nicht, wie jetzt auch geschehen, erklären, dass
Hartz IV gut ist, die Rente mit 63 schlecht, die Schuldenbremse
akzeptabel und die Energiewende sinnvoll. Das sieht jedes ihrer
Schäfchen im Zweifel anders. Sie sollen keine Regierungs- und keine
Parteiprogramme schreiben, denn so etwas entwertet die großen
Aussagen nur, lenkt den Blick ab. Das ist zu kritisieren an dem sehr
nachdenklichen Papier, das jeder lesen sollte, der Verantwortung hat
in der Gesellschaft und Lust an einer werteorientierten Politik.

Pressekontakt:
Lausitzer Rundschau

Telefon: 0355/481232
Fax: 0355/481275
politik@lr-online.de

Weitere Informationen unter:
http://

Posted by on 28. Februar 2014.

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Categories: Politik & Gesellschaft

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