Lässt sich Trump bändigen? / Kommentar von Raimund Neußzu Trumps anstehendem Besuch beim Weltwirtschaftsforum

Was tun? Ein US-Präsident, der nicht mehr\“nur an Frieden denken will\“, weil Norwegen ihm angeblich den Friedensnobelpreis vorenthält, benimmt sich wie ein radikal verhaltensgestörtes Kind. Man reizt es besser nicht. So denken die meisten europäischen Politiker, und Gavin Newsom, der demokratische Gouverneur von Kalifornien, warf ihnen deshalb in Davos erbärmliches Verhalten vor. Dieser Profilierungsversuch sei demMann, der gern Präsidentschaftskandidat würde, gegönnt. Tatsächlich aber hat EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen den richtigen Ton getroffen, indem sie Trump die Eskalationsmöglichkeiten vor Augen führte, ohne schon rhetorisch zu eskalieren. Das Kind soll einen Ausweg finden, wenn es wider Erwarten merkt, dass es sich den Schädel einrennt.
Schon Trumps bisherige Zollpolitik hat viele US-Bürger schwer getroffen. Die Folgen haben seine Republikaner bei den Regionalwahlen Ende 2025 gespürt. Ein Zollkrieg um Grönland würde das Bild bei den Zwischenwahlen 2026 für Trumps Partei weiter verdüstern. In der Möglichkeit, dass dieses Szenario den Weg in Trumps Hirn findet,liegt für die Europäer ein verzweifelt kleiner Rest Hoffnung. Aber selbst dann hätte die Nato durch Trumps Bedrohung anderer Mitglieder schwer an Glaubwürdigkeit verloren. Das wird das Bündnis dauerhaft belasten, unabhängig davon, ob Newsom oder der radikale Ideologe J.D. Vance indrei Jahren auf Trump folgen.
Umso enger müssen die von Trump bedrängten Noch-Verbündeten kooperieren. Grönlands EU-Austritt war schon 1985 keine gute Idee – so wie es umgekehrt klug ist, wenn Island zur Union hinzutritt. Alleingänge wie der irre Vorschlag des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, Russland bei Grönland mitreden zu lassen, verbieten sich. Mit Hochdruck müssen die Europäer zudem militärische Fähigkeiten und Rüstungskapazitäten entwickeln, bei denen sie bisher von den USA abhängig und erpressbar sind. Was würden wir dafür geben, wenn wir damit schon zu Trumps ersterAmtszeit begonnen hätten.
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