Kurt-Magnus-Preis 2026: Junge Audiotalente der ARD ausgezeichnet

Erster Preis: Selin\“Selly\“Kahya (rbb)
Jugendsprache und Witze in der Morningshow und ein Politik-Podcastüber die Einblicke in die Arbeit der Bundesregierung – passt das zusammen? Wenn Selin\“Selly\“Kahya dahintersteckt, dann ja: Die rbb-Journalistin verbindet zugängliche Moderation mit inhaltlicher Tiefe. In der\“Fritz Frühschicht\“erreicht sie ein junges Publikum und verknüpft Alltags-, Kultur- und Politikthemen; im Politikformat\“Berlin Code\“bereitet sie als Vertretung für Linda Zervakis bundespolitische Fragestellungen verständlich auf. In Kommentaren, etwa zum Jahrestag des rechtsterroristischen Anschlags in Hanau, bringt sie persönliche Perspektiven als Migrantin ein und macht so gesellschaftliche Relevanz hörbar.\“Selly versteht ihr journalistisches Handwerk, und sie weiß es einzusetzen – genauso gut verspielt wie seriös\“, sagt Jury-Mitglied und Radio Bremen–Programmdirektor Jan Weyrauch in seiner Laudatio. Kahyas Arbeit zeige, wie Audiojournalismus junge Zielgruppen erreiche, Debatten anschiebe und unterschiedliche Lebensrealitäten in die öffentliche Diskussion einbringe. Selin\“Selly\“Kahya:\“Als Frau mit Migrationshintergrund ist es mir besonders wichtig, junge Menschen zu erreichen, und wenn nur ein Mädchen oder ein Junge mit Migra-Background sagt: Hey, die Frau da im Radio oder im Podcast hat einen ausländischen Namen und wenn sie das kann, dann kann ich das auch , oder durch mich als eine von vielen, die das öffentlich-rechtliche Programm repräsentiert, versteht, dass wir Programmfür alle machen, dann hab ich schon viel von dem erreicht, was ich erreichen wollte. Das macht mich stolz, glücklich und dankbar.\“
Zweiter Preis: Rebecca Barth (WDR)
Rebecca Barth berichtet seit Juni 2022 aus Kiew für den ARD-Hörfunk unter anspruchsvollen politischen und sicherheitsrelevanten Bedingungen. Ihre Beiträge ordnen die Entwicklungen des Krieges differenziert ein. Dabei verknüpfen sie aktuelle politische und militärische Ereignisse mit langfristigen Folgen für die Gesellschaft. Mitpräziser Recherche, klarer Sprache und einer respektvollen Annäherung an sensible Themen macht sie die Lebensrealität in einem Land im Dauerzustand des Krieges hörbar und nachvollziehbar.\“Deine Stärke liegt dabei in einer seltenen Balance zwischen analytischer Distanz und menschlicher Nähe. Du hörst zu, ohne zu vereinnahmen. Du ordnest ein, ohne zu belehren. Du schaffst Empathie, ohne Emotionen zu instrumentalisieren\“, sagt hr-Programmdirektorin Julia Krittian in ihrer Laudatio. Rebecca Barth wahrt analytische Distanz, ohne die menschliche Perspektive aus dem Blick zu verlieren, und leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Lage in der Ukraine. Rebecca Barth:\“Ich möchte mit meiner Arbeit einen Beitrag zur Dokumentation des größten Krieges in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg leisten.\“
Dritter Preis: Luisa Meyer (DLR)
Wie kann Gott zulassen, dass im Gazastreifen Kinder sterben, warum hat die evangelische Kirche eine unerledigte Machtfrage und wieso ist Papst Leo XIV. aus politischer Sicht eine bemerkenswerte Wahl? Themen, die im jungen Journalismus oft weniger im Fokus stehen – und genau die, denen sich Luisa Meyer widmet. Seit Februar 2024 ist Luisa Meyer Redakteurin des Religionsmagazins\“Tag für Tag\“und des Features\“Aus Religion und Gesellschaft\“im Deutschlandfunk. Sie moderiert und plant die Sendungen, sie recherchiert und ist selbst Autorin.\“Wir würdigen hier heute als Jury eine junge Frau, die sich bewusst gegen den einfachen Weg entscheidet – und zeigt, wie wertvoll es ist, wenn junge Journalistinnen den Anspruch haben, schwierige Themen nicht zu vermeiden, sondern sie klug, kritisch und fundiert zu erzählen\“, sagt sr-Programmdirektorin Sonja von Struve in ihrer Laudatio. Sie erfasst die Bedeutung von Religion in der modernen Gesellschaft und deren Auswirkung auf aktuelle politische Ereignisse mit erstaunlich klarem Blick und schaut genau dann hin, wenn dasöffentliche Interesse nachlässt. Luisa Meyer:\“In meiner Arbeit als Religionsredakteurin finde ich immer wieder inspirierend, dass wir in unseren Formaten Geschichten von Menschen erzählen, die auf religiöser Suche sind, die von Religion erfüllt sind und daraus Kraft schöpfen. In meiner Arbeit geht es mir aber auch darum, zu recherchieren, wie Religion missbraucht werden kann.\“
Dritter Preis: Mia von Hirsch (hr)
Audiojournalismus kann individuelle Erfahrungen erlebbar machen und gleichzeitig gesellschaftliche Fragen verständlich einordnen – dafür steht die Arbeit von Mia von Hirsch. Sie ist Teil der Kultur-Unit des hr und des crossmedialen Reporterteams X-Lab im Programmbereich Hesseninformation. Damit bewegt sie sich mitten in der aktuellen hessischen Landesberichterstattung. Gleichzeitig berichtet sie regelmäßig für die ARD aus und über die USA und verbindet regionale Perspektiven mit internationalen Themen. Mit Menschenkenntnis und Empathie erzählt sie Perspektiven von Pfandsammlern und Brandopfern, Schlagerkünstlern und Drogenabhängigen so, dass sie gleichermaßen bewegen und informieren.\“Man merkt in ihren Interviews, dass sie die Fähigkeit hat, nah an die Menschen heranzukommen, sodass sie das Mikrofon gar nicht mehr wahrnehmen und offen und ungeschönt erzählen, was sie beschäftigt und wer sie sind\“, sagt Sonja von Struve in ihrer Laudatio. Sie gewinnt das Vertrauen unterschiedlichster Gesprächspartnerinnen und -partner und macht deren Perspektiven für ein breites Publikum hörbar. Mia von Hirsch:\“Von Barrierefreiheit,über eine Sekte, den KI-Einsatz in der Strafverfolgung bis hin zu gefährdeten Wildbienen – ich durfte schon zu den unterschiedlichsten Themen recherchieren. Immer mit dem Ziel, relevante Geschichten zu den Menschen zu bringen, ob linear im Radio und Fernsehen oder digital auf Social-Media-Plattformen.\“
Vierter Preis: Sophie Anggawi (Radio Bremen)
Hörfunk als Chance statt als Auslaufmodell – diese Überzeugung vertritt die Radiomoderatorin, Social-Media-Host für Bremen Zwei und Cosmo, crossmediale Reporterin und Podcast-Moderatorin Sophie Anggawi. Eine Chance, Menschen wirklich zu erreichen: die, mit denen sie spricht, und die, die sieerreichen will.\“Sie macht Journalismus nicht zugänglich, indem sie ihn vereinfacht. Sie macht ihn zugänglich, indem sie Verbindungen herstellt\“, sagt Antonia Ansari aus der hr-Programmdirektion in ihrer Laudatio. Sie führt Gespräche authentisch und radikal ehrlich und begibt sich dafür selbst auf die Suche. Sie lässt sich in einer Buchhandlung einschließen, bewegt sich auf der Suche nach der Geschichte des Einwanderungslands Deutschland\“unter Almans\“, strickt im Kino und schaut dabei ganz genau hin. Zugewandt, nah, ehrlich. Sophia Anggawi:\“Radio kann so viel – allen voran, nahbar sein. In meiner Arbeit als Radio-Moderatorin, -Reporterin und -Redakteurin empfinde ich es als große Freude und Verantwortung, für unsere Hörer*innen gut recherchierte Themen sauber, spannend und gleichzeitig menschlich aufzuarbeiten. Gerade in Zeiten von KI braucht es Radioprogramme, die diese menschliche Nähe vermitteln.\“
Zum Kurt-Magnus-Preis
Mit dem Kurt-Magnus-Preis zeichnet die ARD junge Journalistinnen und Journalisten aus, die im Audiobereich arbeiten. Die Auszeichnung wird seit 1962 verliehen und gehört zu den renommiertesten Preisen für Hörfunk und Audiojournalismus in Deutschland. Unter der Federführung des Hessischen Rundfunks würdigt eine ARD-weite Jury medienübergreifende Arbeiten und unterstützt gezielt die Förderung des journalistischen Nachwuchses. Die Jury für den Kurt-Magnus-Preis bilden Sonja von Struve (SR), Jan Weyrauch (rb) und Jury-Vorsitzende Julia Krittian (hr). Der erste Preis geht in diesem Jahr an Selin\“Selly\“Kahya vom rbb (Dotierung: 7.000 Euro), der zweite Preis an Rebecca Barth vom WDR (Dotierung: 5.000 Euro), der dritte Preis an Mia von Hirsch vom hr und an Luisa Meyer vom Deutschlandradio (Dotierung: je 4.000 Euro), der vierte Preis geht an Sophie Anggawi von Radio Bremen (Dotierung: 3.000 Euro).
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