Konjunktur auf Kante

Auch im letzten Quartal 2025 prägen Investitionszurückhaltung in der Industrie und verhaltene Konsumbereitschaft das Geschäftsklima im Handwerk der Region Stuttgart. So bewerten in der vierteljährlichen Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Region Stuttgart nur 45 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als gut, 33 Prozent als befriedigend und 22 Prozent als schlecht. „Statt einer klaren wirtschaftspolitischen Strategie jagt in der Bundesregierung ein Vorschlag den anderen, ohne dass je einer realisiert wird. Das verunsichert und bremst die Betriebe spürbar aus“, kritisiert Peter Friedrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart.
Die Umsatzentwicklung bleibt rückläufig: 36 Prozent der befragten Handwerksbetriebe verzeichneten Umsatzrückgänge, nur 22 Prozent meldeten Zuwächse. Ähnlich ist es bei den Auftragseingängen: 39 Prozent der Betriebe berichten von weniger neuen Aufträgen, lediglich 18 Prozent von Zuwächsen. Das spiegelt sich auch in der Kapazitätsauslastung wider: 32 Prozent der Unternehmen berichten von einer Auslastung von maximal 60 Prozent. „Wenn ein Betrieb kaum planen kann und sich seine Auftragsbücher nicht füllen, hält er sich auch bei eigenen Investitionen und in der Ausbildung zurück“, warnt der Kammerchef.
Verhaltene Erwartungen für 2026
Die Umfrage bestätigt dies: Trotz hoher Transformationsbedarfe bleibt die Investitionsbereitschaft der Handwerksbetriebe in der Region gedämpft. Jeder vierte Betrieb reduzierte seine Investitionen, während nur jeder fünfte Betrieb mehr investierte. Auch der Arbeitsmarkt im Handwerk zeigt leichte Spannung. 15 Prozent der Betriebe reduzierten Personal, während nur 8 Prozent Beschäftigung aufbauen konnten. „Der Personalabbau bereitet uns Sorgen. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass trotz der konjunkturellen Flaute die große Mehrheit der Handwerksunternehmen zu ihren Beschäftigten hält“, erklärt Friedrich. Der Kostendruck auf die Betriebe bleibe hingegen hoch: 67 Prozent melden steigende Einkaufspreise, nur ein Drittel kann erhöhte Verkaufspreise durchsetzen.
Die optimistischen Signale früherer Jahre bleiben bislang aus. Die Erwartungen der Betriebe für 2026 fallen überwiegend zurückhaltend bis pessimistisch aus: Mehr Unternehmen rechnen mit einer Verschlechterung als mit einer Verbesserung ihrer Geschäftslage. Gleiches gilt für Umsatz-, Auftrags- und Personalplanungen. Auch die Investitionsbereitschaft bleibt auf niedrigem Niveau – ein Risiko für künftiges Wachstum.
Forderung nach wirtschaftspolitischer Trendwende
„Wir müssen uns leider wiederholen: Unsere Betriebe brauchen endlich spürbare Entlastungen. Und zwar dort, wo es wirklich wirkt“, fordert Peter Friedrich. Bürokratieabbau müsse verbindlich angegangen werden, etwa durch den Abbau überbordender Dokumentations- und Nachweispflichten sowie durch schnellere, praxistaugliche Genehmigungs- und Vergabeverfahren. Ebenso entscheidend seien wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die den Faktor Arbeit entlasten. „Die hohen Lohnnebenkosten bremsen gerade personalintensive Handwerksbetriebe aus. Wenn wir Arbeitsplätze erhalten und neue schaffen wollen, dann müssen diese Kosten runter“, so der Kammerchef. „Wenn es im Haushalt Spielraum gibt, dann sollte die Politik statt der Körperschaftssteuer die Sozialversicherungsbeiträge als Erstes senken.“ Zentral sei zudem, dass Bund und Land selbst verlässlich investieren – insbesondere in Wohnungsbau, Infrastruktur und Bildung. „Jetzt braucht es einen wirtschaftspolitischen Befreiungsschlag. Das Handwerk ist bereit, seinen Beitrag zu leisten. Aber die Regierungmuss endlich die Bedingungen schaffen, damit unsere Betriebe wieder durchstarten können“, sagt Friedrich.
Zum aktuellen Konjunkturbericht: www.hwk-stuttgart.de/konjunktur
Methodischer Hinweis
Die aktuelle Umfrage ist nur eingeschränkt mit früheren Erhebungen vergleichbar. Hintergrund ist eine Umstellung der Methodik: Statt telefonisch wurde erstmals online befragt. Den Umstellungszeitpunkt haben wir in den Grafiken durch eine rote Linie markiert.?Der Methodenwechsel kann das Antwortverhalten beeinflussen, ermöglicht jedoch eine größere Reichweite und eine breitere Abbildung aktueller Einschätzungen.
Categories: Allgemein
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