Kommentar von\“nd.DerTag\“zu Israels Vorgehen im Gazastreifen

Das deutsche Außenministerium hat sich zu einer Kritik an Netanjahus Äußerungen hinreißen lassen. Deutschland lehne jede dauerhafte Teilung des Gazastreifens ab, hieß es aus dem Mund eines Sprechers. Zu schärferen Reaktionen gegen das offensichtlich völkerrechtswidrige Vorgehen Israels wird esaber nicht kommen. Sanktionen schließen die Bundesregierung wie auch Italien oder Österreich aus; selbst die Aussetzung des Assoziierungsabkommens zwischen Israel und der EU will Deutschland nicht mittragen. Dabei würde es sich nicht mal um eine Strafmaßnahme handeln, sondern nur um dieStreichung von Handelsvorteilen. Die Verhängung von Sanktionen gegen gewalttätige israelische Siedler im Westjordanland dürfte kaum Wirkung zeigen und die Regierung in Tel Aviv kaum davon abhalten, ihre Politik der Landnahme auch dort entscheidend zu behindern.
Bei Verkündung der Waffenruhe im Gazastreifen im Oktober 2025 kontrollierte die israelische Armee nur 53 Prozent der Fläche und hat diesen Anteil stetig ausgeweitet. Das war bekannt, hatte aber keine Folgen. Jetzt sind es circa 60 Prozent, und Netanjahu steuert auf die 100 Prozent zu. Im Libanon vollzieht sich ein ähnlicher Prozess, ausgehend vom Süden des Landes, wo die israelische Armee einen rund zehn Kilometer breiten Streifen besetzt hält und radikale Stimmen dessen Besiedlung durch israelische Siedler fordern.
Durch den Krieg riskiert der Libanon in eine bürgerkriegsähnliche Situation zu rutschen: Mit der massiven Offensive zu Land und aus der Luft setzt Israel die libanesische Regierung unter Druck, die Hisbollah-Miliz als militärische Kraft auszuschalten. Doch fehlen der Regierung in Beirut dazu die Mittel, und sie weiß, dass ein nichtunbedeutender Teil der Bevölkerung in den von den USA orchestrierten Gesprächen mit der israelischen Regierung einen Verrat an den nationalen Interessen sieht; auch die Hisbollah gewinnt so wieder an Zuspruch.
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