GRS-Meistertreffen 2026: Rekordbeteiligung und klare Botschaften für die angeschlossenen Werkstätten

Den Auftakt bildete wie in jedem Jahr die groß angelegte Hausmesse, die mit rund 50 Ausstellern aus Industrie, Kfz Aftermarket und digitalen Werkstattlösungen größer denn je war und sich damit zu einem allumfassenden Branchen-Treffen entwickelte. Kfz-Meister, Werkstattmitarbeiter, aber auch ein Teil der Unternehmer der HMI- und Premio-Betriebe nutzten diese einmalige Gelegenheit zum Austausch mit Herstellern und Dienstleistern, die ihre neuesten Produkte und Innovationen an einem Ort vorstellten. Die Realisierung einer solch großen Lieferanten-Hausmesse konnte mithilfe der Freien Reifen-Einkaufsinitiative (FRi), der Einkaufsgesellschaft der GRS-Partner-Betriebe, erfolgreich umgesetzt werden. FRi-Geschäftsführer Michael Weitz war mit seinem Team ebenfalls unter den Gästen vor Ort und nutzte den Rahmen, um mit den Partnern und Lieferanten ins Gespräch zu kommen.
„Die Fahrzeugtechnik entwickelt sich so rasant, dass eine einzige Fortbildung alle zwei Jahre nicht mehr ausreicht“, erklärte GRS Autoservice-Leiter Thorsten Brückner in seiner Begrüßung. „Nur wer kontinuierlich am Ball bleibt, kann moderne Fahrzeuge fachgerecht warten undreparieren.“ Auch GRS-Geschäftsführer Goran Zubanovic unterstrich in seinem Vortrag die Bedeutung kontinuierlicher Qualifikation, betonte dabei aber auch die Wichtigkeit des Austauschs untereinander und der Teamarbeit im Netzwerk. Die Herausforderungen des demografischen Wandels, steigende Komplexität in der Fahrzeugdiagnose und der wirtschaftliche Druck durch steigende Kosten erforderten ein Umdenken: „Wir müssen uns heute die Frage stellen, womit wir morgen unser Geld verdienen wollen.“ Als Schlüssel, weiterhin erfolgreich bleiben zu können, zeigte er das hohe Fachwissen und die emotionale Intelligenz, die im Netzwerk vorhanden sei, auf. Das sei heute wichtiger denn je.
Fachprogramm mit Praxisbezug: von Tesla bis softwarebasierter Fahrwerkssteuerung
Das Vortragsprogramm am Samstagvormittag stand unter dem Motto„Meister der Zukunft – Innovative Lösungen im zeitgemäßen Kfz-Handwerk“. Philipp Benstein von Trainmobil eröffnete mit einer praxisnahen Live-Diagnose aus dem Inneren eines Teslas vor Ort und zeigte auf, was auch ohne Hersteller-Tester möglich ist – und das ist eine ganze Menge. „Ich hoffe, ihr habt etwas die Angst vor dem Tesla verloren – traut euch ran, es ist keine Hexerei!“, lautete sein Appell an die Teilnehmenden. Bernhard Preuth von der AAG (Alliance Automotive Group) informierte über neue Richtlinien wie UNECE 155 und deren Einflussauf die Diagnosepraxis. Auch die Herstellerbindung durch CeBAS (Certificated Based Automotive Security) und die zunehmende Bedeutung von Remote-Diagnose waren Thema. Ferdinand Döttinger (Repareo) zeigte, wie Onlinebuchung über Google My Business auch im Werkstatt-/Kfz-Bereich zunehmend zum Standard wird. Michael Zeck (ZF) präsentierte mit dem Chassis 2.0 die softwarebasierte Zukunft der Fahrwerkssteuerung und betonte hier insbesondere die Relevanz digitaler Schnittstellen zwischen Reifen und Fahrwerk. Stefan Meyer (ContiTech) erläuterte die Besonderheiten von Zahnriemen im Öl und warnte vor dem Einsatz nicht freigegebener Öle. „Nicht das Öl ist das Problem, sondern die Inhaltsstoffe. Achtet immer darauf, welches Öl mit welchen Additiven vom Hersteller freigegeben ist“, lautete Meyers Rat. Lars Faust (FabuCar) stellte mit FabuCar Pro eine der führendendeutschsprachigen Online-Plattformen für Werkstätten vor. Über 38.000 verifizierte Fachleute sind dort registriert und tauschen sich täglich über konkrete Reparaturfälle aus – über 28.000 gelöste Probleme zeugen vom Erfolg des Konzepts. Faust gab auch einen Ausblick aufden bevorstehenden internationalen Rollout: Ab März 2026 soll FabuCar Pro in mehreren europäischen Ländern mehrsprachig und mit erweitertem Zugang für Werkstattprofis aus ganz Europa an den Start gehen.
Den Abschluss der Fachvorträge bildeten Thomas Schmidt und Michael Zarske vom TÜV Rheinland mit ihrem Beitrag „Erfolgsfaktor HU in der Werkstatt“. Im Fokus standen typische Mangelbilder, die wachsende Bedeutung elektronischer Systeme sowie die Auswirkungen der bereits verabschiedeten Euro?7?Norm auf die Hauptuntersuchung. Künftig rücken der Abgleich von Softwareversionen, Systemchecks und Diagnosekompetenz stärker in den Vordergrund. Und das hat direkte Auswirkungen auf den Werkstattalltag: „Immer häufiger werden Fahrzeuge die HU nicht wegen Rost, sondern wegen elektronischer Systemfehler nicht bestehen“, so das klare Fazit von Schmidt.
Workshops und Weiterbildung am Fahrzeug
Der Samstagnachmittag stand ganz im Zeichen des praxisnahen Lernens: In mehreren rotierenden Workshops konnten die Teilnehmenden in kleinen Gruppen ihr Wissen vertiefen. Die Teilnehmenden kamen direkt mit den Referenten ins Gespräch, stellten konkrete Fragen aus dem eigenen Werkstattalltag und diskutierten gemeinsam Lösungsansätze. Thematisch reichte das Programm von fachgerechten Reifenreparaturverfahren über die Prüfung von Ladekabeln nach DGUV V3 bis hin zur sicheren Fahrzeugdiagnose über Security Gateway und SERMI-Zertifizierung. Auch die professionelle Reinigung und Instandhaltung von Dieselpartikelfiltern wurde praxisnah beleuchtet.
Zum gemeinsamen Abschluss kamen die Teilnehmenden im Plenum zusammen. Hier wurden acht anwesende, frisch ausgebildete Serviceberaterinnen und -berater der GRS-Akademie (von insgesamt 11) durch Thorsten Brückner und Christian Lehmann vom GRS-Trainingscenter geehrt.
Erstmals in diesem Rahmen und nach dreijähriger Pause wurde anschließend der Premio Tuning Lieferanten-Award verliehen. Zusammen mit der FRi wurden die Gewinner aus drei Kategorien auf der Bühne geehrt. Ausgezeichnet wurde die Firma Alcar in der Kategorie „Leichtmetallfelgen“, in der Kategorie „Fahrwerke“ gewann KW automotive und in der Kategorie „Sportliches Zubehör“ holte sich Liqui Moly die begehrte Auszeichnung. Beim anschließenden Abendessen und einem gut besuchten Dartturnier ging das Meistertreffen-Wochenende in entspannter Atmosphäre zu Ende.
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