Gesundheitsreform treibt Gutverdiener in die PKV:\“Wir erleben gerade einen Ansturm von Wechselwilligen\“

Bei Stefan Bierl steht das Telefon derzeit kaum still. Gutverdiener und Selbstständige melden sich bei ihm mit dem immer gleichen Anliegen: Sie möchten in die private Krankenversicherung wechseln.\“Wir erleben gerade einen Ansturm von Wechselwilligen. Die Anfragen von Gutverdienern und Selbstständigen haben sich in den letzten Wochen mehr als verdreifacht\“, berichtet Bierl.
Im April und Mai 2026 erreichten den freien Versicherungsmakler rund 80 Wechselanfragen pro Monat. Im Vorjahreszeitraum waren es im Schnitt nur 25 Anfragen pro Monat.\“Viele möchten verstehen, ob die PKV jetzt für sie eine Alternative ist\“, sagt Bierl, der in seiner 20-jährigen Berufserfahrung mehr als 3.000 PKV-Gesundheitsprüfungen begleitet hat.
Hintergrund: Mit dem GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz hat das Bundeskabinett im April 2026 eine außerordentliche Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze um 300 Euro pro Monat ab 2027 beschlossen – zusätzlich zur regulären Anpassung. Für Gutverdiener wird die GKV damit in Zukunft deutlich teurer. Außerdem sollen Leistungen für Homöopathie gestrichen, Zuschüsse zum Zahnersatzgekürzt und Zuzahlungen erhöht werden.
\“Die PKV ist keine Alternative zum Geldsparen\“
Bierl rät trotz der aktuellen Stimmung zur Besonnenheit.\“Die PKV ist keine Alternative zum Geldsparen. Wer wegen 150 Euro Ersparnis im Monat wechselt, denkt zu kurz.\“Auch die PKV werdeüber die Jahrzehnte teurer. In der Vergangenheit stiegen die Beiträge auf lange Sicht ähnlich stark wie in der GKV.
Im Rentenalter, wenn für Angestellte der Arbeitgeberanteil entfällt, kostet die PKV viele Privatversicherte 1.000 Euro und mehr pro Monat – bei häufig deutlich gesunkenem Haushaltsbudget.\“Wer in die PKV wechselt, sollte das tun, weil er bessere Leistungen will: schnellere Facharzttermine, Chefarztbehandlung, ein Einzelzimmer im Krankenhaus, hochwertigen Zahnersatz. Den Beitrag im Rentenalter muss man sich leisten können und wollen.\“
Wichtigster Rat: Zeit nehmen für unabhängige Beratung
Bierls wichtigster Rat gilt den kurzentschlossenen Wechslern:\“Schließen Sie eine PKV bitte nie mal schnell über ein Vergleichsportal oder anhand einer Testtabelle ab. Das ist eine der komplexesten und individuellsten Versicherungen überhaupt.\“
Jeder Tarif habe hunderte Details – von Selbstbehalten und Erstattungssätzen bis zu Alterungsrückstellungen.\“Welcher Tarif zu wem passt, hängt stark von Beruf, Familienplanung und Gesundheitshistorie ab\“, sagt Bierl.
Zudem warnt er vor einem leichtsinnigen Umgang mit der Gesundheitsprüfung.\“Die Gesundheitsprüfung ist die größte Falle der PKV. Wer hier eine Diagnose vergisst oder eine Behandlung verschweigt, kann noch Jahre später aus dem Vertrag fliegen und hat dann ein großes Problem.\“Bei grob fahrlässig falschen Angaben kann die PKV innerhalb der ersten fünf Jahre vom Vertrag zurücktreten, bei Vorsatz sogar zehn Jahre lang.
\“Bei uns rufen jeden Tag Menschen an, denen die PKV gekündigt wurde\“
Was das praktisch bedeutet, erlebt Bierl in seiner Beratungspraxis nahezu täglich.\“Bei uns rufen jeden Tag verzweifelte Menschen an, denen die PKV wegen falscher Angaben bei der Gesundheitsprüfung gekündigt wurde\“, berichtet der Experte.\“Fast alle haben damals selbstüber ein Vergleichsportal oder direkt beim Versicherer abgeschlossen. Helfen können wir an diesem Punkt meist nicht mehr, das Kind ist in den Brunnen gefallen.\“Eine einfache Rückkehr in die GKV ist meist nicht möglich. Den Betroffenen bleibt oft nur der teure PKV-Basistarif. Zum Höchstbeitrag gibt es dann nur noch Leistungen auf GKV-Niveau.
Bierl fordert deshalb in seiner Beratung meist die vollständige Patientenakte bei der Krankenkasse an und bereitet die Gesundheitshistorie mit dem Interessenten detailliert auf.\“Das dauert ein paar Wochen, ist aber der einzige Weg zu einer wirklich wasserdichten PKV.\“
Wer einen Wechsel in Erwägung zieht, sollte sich möglichst in jungen Jahren damit beschäftigen, rät der Versicherungsmakler.\“Mit jeder Diagnose, jedem Arztbesuch, jedem Eintrag in der Krankenakte steigt das Risiko, nur noch mit hohen Risikozuschlägen oder gar nicht mehr versichert zu werden.\“Mit Mitte 30 und ohne nennenswerte Vorerkrankungen kämen die meisten Antragsteller ohne Risikozuschläge durch. Mit Ende 40 ist ein Wechsel in die PKV oft schon nicht mehr sinnvoll möglich.\“Die Zeit arbeitet hier leider immer gegen den Versicherten.\“
5 Fragen an Stefan Bierl
Herr Bierl, in Ihrer Beratung haben sich die PKV-Anfragen mehr als verdreifacht. Wer sucht da gerade das Gespräch?
Wir erleben gerade einen Ansturm von Wechselwilligen. Vor allem Gutverdiener, Selbstständige und Freiberufler melden sich bei uns. Die Anfragen haben sich in den letzten Wochen mehr als verdreifacht. Im April und Mai erreichten uns rund 80 Wechselanfragen pro Monat – im Vorjahreszeitraum waren es im Schnitt 25. Die GKV-Reform sorgt für Verunsicherung. Viele möchten verstehen, ob die PKV jetzt für sie eine Alternative ist.
Sollten Gutverdiener wegen der steigenden GKV-Beiträge jetzt in die PKV wechseln?
Die PKV ist keine Alternative zum Geldsparen. Wer wegen 150 Euro Ersparnis im Monat wechselt, denkt zu kurz. Auch die PKV wirdüber die Jahrzehnte teurer – in der Vergangenheit ähnlich stark wie die GKV. Im Rentenalter, wenn für Angestellte der Arbeitgeberanteil entfällt, kostet sie viele Privatversicherte 1.000 Euro und mehr pro Monat. Wer in die PKV wechselt, sollte das tun, weil er bessere Leistungen will: schnellere Facharzttermine, Chefarztbehandlung, ein Einzelzimmer im Krankenhaus, hochwertigen Zahnersatz. Den Beitrag im Rentenalter muss man sich leisten können und wollen.
Was halten Sie von Vergleichsportalen und Testtabellen für die PKV-Auswahl?
Schließen Sie eine PKV bitte nie mal schnell über ein Vergleichsportal oder anhand einer Testtabelle ab. Das ist eine der komplexesten und individuellsten Versicherungen überhaupt. Jeder Tarif hat hunderte Details – von Selbstbehalten und Erstattungssätzen bis zu Alterungsrückstellungen.Welcher Tarif zu wem passt, hängt stark von Beruf, Familienplanung und Gesundheitshistorie ab. Eine unabhängige Beratung kostet keinen Cent mehr als der Direktabschluss. Aber sie macht über 30 oder 40 Jahre einen enormen Unterschied.
Wo machen Menschen beim PKV-Wechsel die größten Fehler?
Die Gesundheitsprüfung ist die größte Falle der PKV. Wer hier eine Diagnose vergisst oder eine Behandlung verschweigt, kann noch Jahre später aus dem Vertrag fliegen und hat dann ein großes Problem. Bei grob fahrlässig falschen Angaben darf die PKV innerhalb der ersten fünf Jahre vom Vertrag zurücktreten, bei Vorsatz sogar zehn Jahre lang. Bei uns rufen jeden Tag verzweifelte Menschen an, denen die PKV genau aus diesem Grund gekündigt wurde. Fast alle haben damals selbst über ein Vergleichsportal oder direkt beim Versicherer abgeschlossen. Helfen können wir an diesem Punkt meist nicht mehr, das Kind ist in den Brunnen gefallen. Wir fordern in unserer Beratung deshalb meist die vollständige Patientenakte bei der Krankenkasse an und bereiten die Gesundheitshistorie mit dem Interessenten detailliert auf. Das dauert ein paar Wochen, ist aber der einzige Weg zu einer wirklich wasserdichten PKV.
Was raten Sie Menschen, die mit dem Thema PKV liebäugeln, aber noch unsicher sind?
Sich rechtzeitig damit beschäftigen, am besten in jungen Jahren. Mit jeder Diagnose, jedem Arztbesuch, jedem Eintrag in der Krankenakte steigt das Risiko, nur noch mit hohen Risikozuschlägen oder gar nicht mehr versichert zu werden. Im Einzelfall kann es zum Beispiel sinnvoll sein, für einen geringen Beitrag eine sogenannte Anwartschaft abzuschließen, sich also einen zukünftigen Wechsel mit dem jetzigen Gesundheitszustand zu sichern. Mit Mitte 30 und ohne nennenswerte Vorerkrankungen kommen die meisten Antragsteller ohne Risikozuschläge durch. Mit Ende 40 ist ein Wechsel in die PKV oft schon nicht mehrsinnvoll möglich. Die Zeit arbeitet hier leider immer gegen den Versicherten.
Bildmaterial zum Download: https://www.finanzberatung-bierl.de/ueber-uns/presse-medien-kontakt/
Über Stefan Bierl
Stefan Bierl (53) ist einer der bekanntesten PKV-Experten Deutschlands. Gemeinsam mit seinem Bruder Tobias gründete er 2008 die Finanzberatung Bierl. Die geprüften Versicherungs- und Finanzanlagefachmänner haben mehr als 10.000 Gesundheitsprüfungen begleitet und kennen die Tücken und Fallstricke für Versicherte wie kaum jemand sonst. Vom Firmensitz im bayerischen 244-Einwohner-Dorf Kirchenrohrbach haben es die Bierls mittlerweile zu deutschlandweiter Bekanntheit geschafft. Ihr Versicherungsblog ist einer der größten und meistgeklickten des Landes. Die Bierls beschäftigen in der Oberpfalz 22 Versicherungsexpertinnen und -experten. Sie alle sind keiner Versicherung verpflichtet und arbeiten ausschließlich im Interesse der Versicherten. Aufgrund seiner großen Praxisexpertise ist Stefan Bierl gefragter Experte in den Medien.
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