Geschäftslage bleibt stabil, aber die Skepsis wächst

„Wir beobachten quer durch alle Branchen, wie die Stimmung in den Betrieben einbricht – und sie war schon zum Jahreswechsel nicht besonders gut“, kommentiert Elke Döring, Hauptgeschäftsführerin der IHK Heilbronn-Franken, die Ergebnisse der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage für das erste Quartal 2026. „Umso bemerkenswerter ist, dass sich die Betriebe trotz weiter zunehmender Probleme auf den Weltmärkten und einer massiven Explosion der Energiekosten behaupten können und die Geschäftslage – wenn auch auf niedrigem Niveau – stabil bleibt.“
Laut der IHK-Umfrage unter 339 Betrieben mit rund 78.400 Beschäftigten fällt die Einschätzung der Geschäftslage im ersten Quartal 2026 nahezu unverändert gegenüber dem Vorquartal aus. Wie zum Jahreswechsel ist rund ein Viertel der Betriebe mit der Geschäftslage zufrieden. Mehr als die Hälfte bezeichnet die aktuelle Situation als „befriedigend“.
Anders sieht es dagegen beim Blick in die Zukunft aus. Die Erwartungen sind von den Auswirkungen des Iran-Kriegs geprägt. 28 Prozent (gegenüber 20 Prozent im Vorquartal) gehen davon aus, dass die Geschäfte in absehbarer Zeit schlechter laufen werden, 18 Prozent erwarten eine bessere Entwicklung.
„Besonders auffallend ist das in unserer Kernbranche, der Industrie. Dort breitet sich nach sechs Jahren Dauerkrise die Skepsis dramatisch aus – mit allen negativen Auswirkungen auf die Investitionsbereitschaft und die Personalplanung“, so Elke Döring. Allein in der Industrie blicken inzwischen 28 Prozent skeptisch in die Zukunft. Das sind zwölf Prozentpunkte mehr als im Vorquartal.
Die Negativliste der größten Geschäftsrisiken führt in nahezu allen Branchen die geopolitische Gesamtlage und deren Auswirkungen auf die heimische Wirtschaft an. Die globalen Spannungen führen 60 Prozent der Unternehmen als größtes Geschäftsrisiko an. Drei Monate zuvor waren es noch 33 Prozent. Dicht dahinter mit 57 Prozent folgen die hohen Energiekosten (Vorquartal 36 Prozent). Elke Döring: „Der Iran-Krieg trifft unsere Wirtschaft ins Mark.“
Das zeigt sich unter anderem bei den Exporterwartungen der Industrie. Fast ein Viertel der Betriebe des produzierenden Gewerbes (23 Prozent) geht tendenziell von einem Rückgang der Ausfuhren aus. Die Folgen: 36 Prozent der Unternehmen wollen Inlandsinvestitionen zurückfahren, 31 Prozent planen Stellenstreichungen.
Dabei hatte sich bis zu Beginn des Iran-Kriegs das Exportgeschäft einigermaßen stabilisiert. 24 Prozent der Unternehmen meldeten einen Zuwachs bei den Auslandsorders, 18 Prozent waren es im Vorquartal.
Ihre aktuelle Geschäftslage bezeichneten im ersten Quartal 2026 – ähnlich wie im letzten Quartal 2025 – 52 Prozent der Industriebetriebe als „befriedigend“, 29 Prozent als „gut“.
„Im Baugewerbe geht die Berg- und Talfahrt weiter. Die Auftragslage schwankt erheblich und hat sich im ersten Jahresviertel nur leicht verbessert“, sagt die IHK-Hauptgeschäftsführerin. 13 statt neun Prozent der Betriebe im Vorquartal melden steigende Auftragseingänge, während,wie zum Jahreswechsel, rund ein Viertel Auftragsrückgänge hinnehmen muss. Mehr Aufträge verzeichnet vor allem der gewerbliche Hochbau. Die Branche steht nach wie vor unter erheblichem Kostendruck. 78 beziehungsweise 63 Prozent der Betriebe nennen die gestiegenen Rohstoff- und Energiepreise sowie die hohen Arbeitskosten als größte Herausforderungen.
Hinzu kommt die ungünstige Witterung zu Jahresbeginn, die die Stimmung leicht eingetrübt hat. Zwar sprechen noch 37 Prozent der Betriebe von einem guten Geschäftsverlauf, bei 22 Prozent (Vorquartal elf Prozent) läuft es insgesamt schlechter als noch zum Jahresende 2025.
Mangelnde Kauffreude bei den Verbrauchern und Skepsis gegenüber der künftigen Geschäftsentwicklung prägen die Situation im Handel. Sowohl der produktionsverbindende als auch der konsumnahe Großhandel beobachten eine nachlassende Dynamik der Geschäfte. Nur noch 13 Prozent der Großhändler (23 Prozent im Vorquartal) melden gute Geschäfte, rund ein Viertel (Vorquartal 20 Prozent) ist mit dem Geschäftsverlauf nicht zufrieden. Leichte Verbesserungen gibt es im Bestellverhalten der Kunden. 22 Prozent der Großhändler (Vorquartal 15 Prozent) nahmen mehr Bestellungen entgegen als vor dem Jahreswechsel, 29 Prozent (33 Prozent im Vorquartal) klagen über einen Rückgang. Dagegen hat sich mit Blick auf die Zukunft die Zahl der Optimisten nahezu halbiert. Nur noch 16 statt 30 Prozent im Vorquartal rechnen mit einer besseren Entwicklung.
Der Einzelhandel leidet nach wie vor unter der schwachen Konsumlaune.„Die Verbraucher sind verunsichert. Inflationsangst und allgemeine Verunsicherung animieren nicht dazu, größere Anschaffungen zu tätigen“, beobachtet Elke Döring. 80 Prozent der Einzelhändler (Vorquartal 71 Prozent) beobachten ein zurückhaltendes Kaufverhalten, kein einziger Händler spricht von einer kauffreudigen Kundschaft. Besonders unter Druck stehen die Händler für Bekleidung und Möbel. 69 Prozent der Einzelhändler insgesamt schätzen die Geschäftsaussichten „gleichbleibend“ oder „ungünstiger“ ein. Die aktuelle Geschäftslage bezeichnet ein Fünftel der Händler als „gut“.
Im Dienstleistungsgewerbe ist die Geschäftslage im ersten Quartal 2026 weitgehend stabil geblieben. Allerdings ist mit Blick auf die kommenden Monate die Skepsis auf den tiefsten Stand seit Herbst 2022 gestiegen. Nur 15 Prozent der Dienstleister blicken optimistisch in die Zukunft, 36 Prozent rechnen mit schlechteren Geschäften. Imersten Quartal 2026 verzeichnet ein Viertel der Unternehmen eine gute, 19 Prozent berichten von einer schlechten Geschäftslage.
Auch das Hotel- und Gaststättengewerbe schreibt einen Negativrekord. Die Einschätzung der wirtschaftlichen Situation ist auf den tiefsten Stand seit Jahresbeginn 2022 gesunken. Kein einziger Betrieb hat in der IHK-Konjunkturumfrage die aktuelle Geschäftslage als gut bezeichnet. Im Vorquartal waren es noch 18 Prozent. 39 Prozent berichten von einer schlechten wirtschaftlichen Situation.
„Im Gastgewerbe spiegelt sich das Dilemma der Gesamtwirtschaft wider. Zu den erheblichen geopolitischen Unsicherheiten kommen anhaltend belastende Rahmenbedingungen“, betont Elke Döring: „Die Kosten sind insgesamt zu hoch, schränken die Wettbewerbsfähigkeit ein, blockieren Investitionen und schaden dem Standort. Dennoch sind unsere Unternehmen innovativ und bereit, in die Zukunft zu investieren, wenn die Politik entsprechende Voraussetzungen schafft und den Unternehmen mit Entlastungen bei den Energiekosten, mit Bürokratieabbau und umfassenden Reformen der Steuer- und Sozialsysteme die Freiheit gibt, sich zu entfalten und in den Standort zu investieren. Wir brauchen einen verlässlichen wirtschaftspolitischen Kurs und keinen Koalitionsstreit, der viele gute Ansätze zerredet, bevor sie wirken können.“
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