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Fehlermeldeplattform für Studierende der Medizin startet im Juli

Im Bereich der Flugsicherung sind Risiko- und Meldesysteme Standard. Die Luftfahrtprofis wissen: Wer aus Beinahe-Katastrophen die richtigen Schlüsse zieht, verhindert unter Umständen den nächsten Crash. Auch im Medizin- und Gesundheitswesen sind Meldeplattformen bekannt. Diese „Critical Incident Reporting Systems“ (CIRS) sind wertvolle Instrumente, um die Patientensicherheit zu verbessern. Die bisherigen Lösungen richten sich an Mitarbeiter von Krankenhäusern. Für Studierende der Medizin, die in der Regel nur während ihrer Praktika in den medizinischen Betrieb eintauchen, sind die bisherigen Möglichkeiten nur eingeschränkt nutzbar. Deshalb hat das IMPP gemeinsam mit Dr. Stefan Bushuven, Intensivmediziner und Krankenhaushygieniker im Gesundheitsverbund Landkreis Konstanz, ein Meldesystem für Beinahe-Fehler speziell für Studierende der Medizin initiiert. Dieses wird in Kooperation mit dem Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) umgesetzt und durch das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) wissenschaftlich unterstützt.

Dr. Stefan Bushuven erklärt die Abläufe: „Bei dem vorgestellten Studi-CIRS handelt es sich um ein anonymes und sanktionsfreies Critical Incident Reporting System. Die gemeldeten Fälle werden durch eine Fachgruppe analysiert, bewertet und dem Meldenden zurückgespiegelt. Zudem erfolgt eine Weiterleitung der Fälle an Institutionen und Fachkommissionen, um aus sicherheitsrelevanten Ereignissen realitätsnahe Schulungs- und Prüfungsinhalte zu erstellen.“ Das Studi-CIRS entfaltet dabei seine bestmögliche Wirkung, wenn die Rückmeldungen durch eine gelebte, konstruktive Feedbackkultur im medizinischen Betrieb tatsächlich aufgenommen werden, dient aber auch der Motivation der lehrenden Ärzte.

Professorin Dr. Jana Jünger, Direktorin des IMPP, betont die Wichtigkeit der interprofessionellen Zusammenarbeit in der Medizin und die Relevanz für das Thema Patientensicherheit. Deshalb sollten diese Themen zukünftig integraler Bestandteil der Ausbildung aller Pflege- und Gesundheitsberufe sein. Den Maßgaben des Masterplans Medizinstudium 2020 folgend werden sie verstärkt auch Teil der Prüfungen sein, deren bundeseinheitliche Durchführung das IMPP unterstützt und sicherstellt. „Mit der neuen, zeitgemäßen Plattform“, so Jana Jünger, „greifen die Initiatoren das große Interesse der Studierenden der Medizin für eine moderne Feedbackkultur auf.“ So fördert das Projekt das individuelle Lernen der Studierenden, indem es zur Bewertung von kritischen Ereignissen, gegebenenfalls aber auch zum Ausräumen von eigenen Fehlwahrnehmungen ermutigt. „Zudem“, so Professor Dr. mult. Eckhard Nagel, Mitglied des Beirats Medizin des IMPP, „sind die bundeseinheitlichen Prüfungsinhalte im Medizinstudium eine hervorragende Steuerungsmöglichkeit, um wichtige Themen wie Patientensicherheit – hier konkret das Risikomanagement – in der Ausbildung der zukünftigen medizinischen Fachkräfte zu verankern. Die Plattform bietet Studierenden Feedbackmöglichkeiten und kann helfen, Lehrinhalte auf mögliche Sicherheitslücken oder Ausbildungsdefizite zu fokussieren.“

„Eine solche Plattform ist für die Patientensicherheit absolut sinnvoll und die Studierenden unterstützen es sehr gerne. Sie ist ein wichtiger Schritt, um die Fehlerkultur und -kommunikation in der Medizin weiter zu verbessern. Aber solche Tools sind auf sehr konkrete Abläufe bezogen – sie ersetzen in keinem Fall eine offene Feedbackkultur in der allgemeinen Arbeit in interprofessionellen Teams. Hier sind aus unserer Sicht weitere Verbesserungen in Zukunft nötig.“
Jeremy Schmidt, Bundeskoordinator für Medizinische Ausbildung, Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V.

„Das Aktionsbündnis Patientensicherheit begrüßt ausdrücklich, dass die Studierenden der Medizin mit dem neuen Studi-CIRS die Möglichkeit haben, kritische Ereignisse oder Fehler, die ihnen auffallen – ohne dass ein Patient zu Schaden kommt – anonym melden zu können. Zum einen steigert das die Aufmerksamkeit der Studierenden nicht nur für mögliche Fehlerquellen, sondern auch für die Bedeutung der Patientensicherheit allgemein. Zum anderen eröffnet es die Möglichkeit, aus konkreten Fehlern tatsächlich zu lernen und es anschließend besser zu machen. Außerdem bringen Studierende in ihren diversen Praktika immer auch den frischen, unverstellten Blick mit. Dadurch fallen ihnen Probleme oder Fehler in Abläufen auf, für die langjährige Teammitglieder nach jahrelanger Arbeit manchmal schon betriebsblind sind.“
Dr. Ruth Hecker, Stellvertretende Vorsitzende beim „Aktionsbündnis Patientensicherheit“ (APS)

„Ich begrüße die Plattform sehr und wir unterstützen das Projekt gerne auf wissenschaftlicher Ebene. Wir kennen genug Fälle, bei denen Abläufe schon durch einfache Maßnahmen verbessert werden konnten. Ein Beispiel: Ein Studierender der Medizin hätte beinahe einem Patienten die Infusion des Bettnachbarn angehängt. Der Fehler wurde rechtzeitig bemerkt und es kam zu keinem Schaden am Patienten. Ein mögliches Feedback sähe dann verkürzt etwa so aus: Die eindeutige Beschriftung der Infusion und der Infusionsleitung mit dem Medikamenten- und Patientennamen sowie deren Kontrolle vor Verabreichung kann einen solchen Fehler verhindern. Bei der Verabreichung von Medikamenten, besonders bei Infusionen, die durch andere Personen vorbereitet wurden, ist jederzeit Vorsicht geboten. Diese Hinweise werden durch weitere Handlungsempfehlungen und Merkregeln ergänzt, so dass die Patientensicherheit erhöht werden kann.“
Prof. Dr. med. Dr. phil. Martin Härter, Dipl. Psych., Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats und Wissenschaftlicher Leiter des ÄZQ

Posted by on 21. Mai 2019.

Categories: Gesundheit & Medizin

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