Die gewöhnlich ungewöhnliche Geschichte von Charles Edouard und Appoline

´Alabasterküste´ so folgerichtig der Name dieses Romans, der von der in einem kleinen hier ungenannten Ort an eben jener Alabasterküste lebenden oberösterreichischen Autorin, Philosophin und Psychologin Andrea Talbot geschrieben wurde und der soeben im Leipziger EINBUCH Buch- und Literaturverlag erschienen ist.
Auch wenn diese Küste Namensgeber und Handlungsort dieses Buches ist und man dem anmerkt, dass dessen Autorin diese Alabasterküste liebt, stehen doch Menschen im Vordergrund dieser Geschichte. Insbesondere natürlich der zunächst etwas seltsam wirkende Charles Edouard Wagner, der sich ja auch selbst genauso wahrnimmt, und aus dessen Perspektive seine Geschichte erzählt wird. Genau genommen ist er es, der direkt mit dem Leser und der Leserin zu reden scheint. Und er ist ja durchaus auch interessant, in seiner Merkwürdigkeit, die wohl weniger aus seinem scheinbar absurden Hobby herrührt, sondern vielmehr aus eben jener verschobenen Wahrnehmung von sich selbst. Denn möglicherweise haben Menschen, die eben so gar nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen, tatsächlich nur zwei Möglichkeiten, sich in dieser Welt zu reflektieren, die der absoluten Selbstüberschätzung, siehe den ein oder anderen Herrscher dieser Welt, und die der mehr oder weniger freiwilligen Erniedrigung. Das morbide Hobby ist da wahrscheinlich nur die Folge der Selbsterniedrigung, ein Cover-up gewissermaßen, das das geschundene Selbst zurück auf ein erträgliches Niveau hievt, das in der eigenen Wahrnehmung nun doch wieder über den Köpfen der anderen liegt, insbesondere über denen der Selbstmörder natürlich. So wundert es auch nicht, dass dieser aus der Metropole aufs Land geflüchtete Charles Edouard Wagner es sich beim ersten Treffen mit der zweiten Protagonistin dieses Buches, eben dieser offensichtlichen Selbstmörderin, anmaßt, diese ohnmächtig da Liegende einfach, wie schon erwähnt, in eine Schubkarre zu laden und in sein Häuschen zu verschleppen. Eigentlich behandelt er sie da, als wäre sie bereits von der Klippe gesprungen, verklärt das in seinem Kopf allerdings zu einer Art Hilfe. Doch dasändert sich sehr schnell, spätestens dann, als Appoline erwacht, zu sprechen beginnt, zu lächeln und nun eine schöne Frau ist und nicht irgendein Ding mehr. Das Selbstwertgefühl des Charles Edouard Wagner sinkt in ihrer Gegenwart sofort wieder merklich, auch wenn Appoline, die eine gewisse Zuneigung zu diesem Charles empfindet, alles dafür tut, ihm genau dieses Gefühl durch eben diese in Worten und Gesten dargebrachte Zuneigung zu vermitteln. Überhaupt zeigt sich sehr schnell, dass Appoline Duparc, auch wenn sie auf kein morbides Hobby verweisen kann und muss, der weitaus interessantere Part dieses Protagonisten-Duos ist. Was auch, zusätzlich zu der Geschichte die sie mitbringt, alle ihre von hier an zu treffenden Entscheidungen unterstreichen. Denn diese sind, obwohl sie gerade in einer fürchterlichen Verfassung ist, mutig, geradlinig und konsequent.
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Honorarfreie Verwendung, Beleghinweis erbeten,
663 Wörter; 4550 Zeichen
Categories: Allgemein
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