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Deutsche Modemarken profitieren von Armutslöhnen im wichtigsten Produktionsland Europas: Rumänien / Die Folge: Familienangehörige arbeiten in Westeuropa in prekären Jobs

Die Clean Clothes Campaign / Kampagne für Saubere
Kleidung legt Armutslöhne mitten in Europa offen. Fast eine halbe
Million Menschen arbeitet in der Modeindustrie Rumäniens. Damit ist
das Land der größte Bekleidungsproduzent Europas. Die Untersuchungen
fanden eine Reihe von Auftraggebern mit Sitz in Deutschland: Aldi,
Basler, Eugen Klein, Esprit, Hucke, Gerry Weber, Hugo Boss, Marc
Cain, Peter Hahn, René Lezard, ROFA. Viele weitere westeuropäische
und nordamerikanische Modemarken lassen ihre Kleidung in den fast
10.000 rumänischen Nähfabriken und Sweatshops herstellen.

Die Beschäftigten sehen ihren niedrigen Lohn als das größte
Problem an. Ein existenzsichernder Lohn, der die Befriedigung der
Grundbedürfnisse für die Familie zuzüglich einer Reserve für Notfälle
enthält, beläuft sich in Rumänien auf 1.448 EUR. Das
durchschnittliche Gehalt der befragten Beschäftigten in der regulären
Arbeitszeit lag bei 14 Prozent dieses existenzsichernden Lohnes.
Rechtswidrig lag ihr Gehalt für die Regelarbeitszeit allzu oft unter
dem gesetzlichen Mindestlohn von 249 EUR, der seinerseits nur 17
Prozent eines Lohnes zum Leben ausmacht. Auf Grundlage der Berichte
der Beschäftigten stellt sich die Nichteinhaltung des
Mindestlohn-Gesetzes als normal heraus. Infolge der Armutslöhne sind
die meisten Beschäftigten gezwungen, für alltägliche Ausgaben wie
Heizmaterial Schulden aufzunehmen.

Strategien für Näherinnen, mit bitterer Armut umzugehen, sind die
Subsistenzlandwirtschaft und die Arbeitsmigration. Familienangehörige
fast jeder zweiten befragten Beschäftigten arbeiten als Bau- oder
Schlachthofarbeiter, als Erntehelfer oder Pflegekräfte in Deutschland
und Westeuropa. Zwischen den Armutslöhnen in der Modeproduktion und
der Arbeitsmigration vieler Rumänen in den Westen besteht ein
direkter Zusammenhang. Eine Arbeiterin lud Vertreter und
Vertreterinnen der Textilmarken ein: \“Versuchen Sie einfach nur mal,
für einen Monat ihre Familie von dem Lohn zu ernähren, den wir hier
gezahlt bekommen.\“

Neben miserabler Entlohnung berichteten die Arbeiterinnen aus
jedem zweiten untersuchten Betrieb von unbezahlten Überstunden und
nicht funktionierenden Ventilations- und Klimaanlagen. Oft stießen
die Feldforscherinnen der Clean Clothes Campaign auf limitierten oder
ganz fehlenden Zugang zu Trinkwasser sowie erzwungene Überstunden.
Alle Beschäftigten klagten über schikanöse und beleidigende
Behandlung durch Vorarbeiter und Management; täglich hören Sie
Entlassungsdrohungen, werden angeschrien und nicht wenige werden
belästigt.

Bettina Musiolek, eine der Autorinnen des Reports, fasst zusammen:
\“Modehäuser halten sich zugute, vor allem Frauen Arbeit und damit
einen Weg aus der Armut zu geben. Unsere Recherchen zeigen jedoch,
dass Arbeiterinnen und Arbeiter durch ihre Arbeit an der Mode für
westeuropäische Marken arm werden. Sie müssen mit hohen Schulden und
auseinandergerissenen Familien zurechtkommen.\“ Viele der deutschen
und westeuropäischen Modemarken, die in Rumänien herstellen lassen,
sind Mitglied im Bündnis für nachhaltige Textilien, wie
beispielsweise H&M, Aldi, C&A, Esprit, Gerry Weber, Hugo Boss,
Primark. \“Keine dieser einflussreichen Modehäuser hat sich gegen
Armutslöhne, Gesetzes- und Menschenrechtsverstöße in Rumänien wirksam
eingesetzt. Es ist höchste Zeit, dass auf EU-Ebene verbindliche
menschenrechtliche Standards eingeführt werden. Es gibt eine tiefe
Kluft in Europa. In einem Teil des Kontinents – vor allem in
Westeuropa – sind gesetzliche Mindestlöhne armutsfest, in einem
anderen Teil liegen gesetzliche Mindestlöhne sogar unter der
Armutsgrenze, die die EU selbst berechnet.\“, stellt Musiolek fest.
Die Clean Clothes Campaign (CCC) fordert die EU auf, eine europäische
Mindestlohnpolitik einzuführen und somit ihre eigene \“Säule sozialer
Rechte\“ ernst zu nehmen: \“Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben
das Recht auf eine gerechte Entlohnung, die ihnen einen angemessenen
Lebensstandard ermöglicht. (…) Armut trotz Erwerbstätigkeit ist zu
verhindern.\“ (Kapitel II, 6.)

Weitere Informationen:

Hier finden Sie das Rumänien Länderprofil sowie weitere
Informationen einschließlich der vollständigen List der bei den
Recherchen gefundenen Modehäuser und -marken: http://ots.de/1ZNAit

Mehr regionale Information:
https://saubere-kleidung.de/lohn-zum-leben/europa/

Die Forderungen der CCC an Kandidatinnen und Kandidaten für das
Europäische Parlament einschließlich konkreter Lohndaten und der
EU-Armutsgrenzen stehen hier: http://ots.de/G2kCS5

Pressekontakt:
Bettina Musiolek, Mobil: 0176 – 577 13 247, Mail:
bettina.musiolek@einewelt-sachsen.de

Original-Content von: Clean Clothes Campaign – Kampagne für Saubere Kleidung, übermittelt durch news aktuell

Posted by on 20. Mai 2019.

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Categories: Industrie, Vermischtes

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