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\“Dem Populismus widerstehen\“; Arbeitshilfe zum kirchlichen Umgang mit rechtspopulistischen Tendenzen veröffentlicht

Unter dem Titel Dem Populismus widerstehen hat die
Deutsche Bischofskonferenz heute (25. Juni 2019) in Berlin eine
Arbeitshilfe zum kirchlichen Umgang mit rechtspopulistischen
Tendenzen veröffentlicht. Das Dokument, das im Zusammenwirken der
Migrationskommission und der Pastoralkommission der Deutschen
Bischofskonferenz sowie der Deutschen Kommission Justitia et Pax als
Expertentext entstanden ist, wurde von den drei zuständigen
Kommissionsvorsitzenden, Erzbischof Dr. Stefan Heße, Bischof Dr.
Franz-Josef Bode und Bischof Dr. Stephan Ackermann vorgestellt.

In einer Einführung zur Arbeitshilfe beschreiben die drei Bischöfe
die gegenwärtigen rechtspopulistischen Tendenzen als Herausforderung
für Kirche und Gesellschaft: \“Der Populismus, der uns herausfordert,
zeigt tagtäglich sein bedrohliches Gesicht, weil er zu
Schwarz-Weiß-Malerei und neuer Kleingeistigkeit verführt – in der
Gesellschaft wie in der Kirche. Tatsächlich wird die Welt immer
komplexer, und es ist unbestreitbar, dass diese Komplexität manchen
überfordert. Der Populismus aber verspricht zu einfache Antworten.\“
Mit Entschiedenheit weisen die Bischöfe jeglichen Versuch zurück, das
Christentum für populistische Zwecke zu vereinnahmen: \“Wir sind
überzeugt, dass unser Glaube und unsere katholische Tradition als
Weltkirche im Widerspruch stehen zu entscheidenden Merkmalen des
Populismus. Wir denken an die (…) absolute Gleichheit aller
Menschen als Geschöpfe Gottes. Wir denken an das fundamentale Gebot
der Nächstenliebe, die gerade auch den erreicht, der uns vielleicht
am fernsten steht, der aber in seiner Hilfsbedürftigkeit uns zum
Nächsten wird.\“

Nach Einschätzung der Bischöfe gehen populistische Bewegungen in
aller Regel mit der Angst vor gesellschaftlichem Niedergang einher.
Demgegenüber sei für die Kirche die Dimension der Hoffnung prägend:
\“Unser Glaube steht für das Vertrauen in einen Gott, der nicht Angst
und Schrecken verbreitet, sondern Zuversicht: die Zuversicht, dass
bei der Lösung der Probleme unserer Zeit keine ängstliche
Verbissenheit um sich greifen muss.\“ Aufgabe der Seelsorge sei es,
auch auf jene Menschen zuzugehen, die mit populistischen Tendenzen
sympathisieren: \“Unser Auftrag besteht darin, mit allen ins Gespräch
zu kommen – auch mit denen, die ganz anderer Auffassung sind.\“

Erzbischof Dr. Stefan Heße (Hamburg) erinnerte bei der Vorstellung
der Arbeitshilfe an die Opfer von Hass und Ausgrenzung: \“Als
Vorsitzender der Migrationskommission und Sonderbeauftragter für
Flüchtlingsfragen habe ich in den vergangenen Jahren immer wieder
erlebt, dass rechtspopulistische Tendenzen kein rein abstraktes
Phänomen sind. Vielmehr werden sie als ganz konkrete Bedrohung
wahrgenommen: von Menschen, die vor Gewalt geflohen sind und hier
Schutz suchen, und von den ehrenamtlich Engagierten, die Flüchtlingen
mit Rat und Tat zur Seite stehen. Mancherorts wird ein Klima der
Feindseligkeit geschürt, das zwischenmenschliche Begegnungen
verhindert und das gesellschaftliche Miteinander vergiftet.\“ In
dieser schwierigen Situation würden Kirchengemeinden und kirchliche
Basisinitiativen zu Recht erwarten, dass die Bischöfe ihnen
\“geistlich und argumentativ den Rücken stärken\“.

Der Vorsitzende der Pastoralkommission, Bischof Dr. Franz-Josef
Bode (Osnabrück), betonte, dass es \“innerkirchlich einen Gesprächs-
und Klärungsbedarf\“ gebe. \“Denn da sind auch diejenigen, die in
kirchlichen Gemeinden und Gruppen Ängste schüren und die Ablehnung
des und der Fremden verstärken. Es gibt auch diejenigen, die die
Sorge um den Verlust einer christlichen Identität
instrumentalisieren, um überhaupt gegen Muslime und Andersdenkende
oder gegen moderne Familienbilder und Rollenveränderungen in der
Gesellschaft oder gegen Homosexuelle und Menschen mit anderen
sexuellen Identitäten zu hetzen.\“ Dies stelle eine Herausforderung
für die Pastoral dar. Gleichzeitig verwies er darauf, dass die in der
Arbeitshilfe dokumentierten Beispiele dazu anregen sollen, \“gegen
populistische Stimmen und Stimmungen in Gesellschaft und Kirche
vorzugehen.\“

Bischof Dr. Stephan Ackermann (Trier), Vorsitzender der Deutschen
Kommission Justitia et Pax, beschrieb den kirchlichen Einsatz für
Menschenrechte als Schwerpunkt von Justitia et Pax. Der
Geltungsanspruch der Menschenrechte werde in rechtspopulistischen
Kreisen infrage gestellt und Menschenrechte würden \“als unzulässige
Beschränkung der Volkssouveränität\“ abgetan. \“Der Respekt vor der
Würde des Menschen kann nur in einem demokratischen Gemeinwesen
abgesichert werden – wie auch unsere moderne Demokratie nur in einem
Gemeinwesen denkbar ist, das sich am Respekt vor der Würde eines
jeden Einzelnen orientiert.\“ Die Menschenrechte \“zu stärken und damit
die reale Pluralität des Gemeinwesens sichtbar werden zu lassen
bedeutet, Demokratie zu leben\“.

Die Ausarbeitung der Arbeitshilfe leistete eine Expertengruppe
unter der Leitung von Prof. Dr. Andreas Lob-Hüdepohl (Katholische
Hochschule für Sozialwesen Berlin). Das Dokument gibt Anregungen für
Diskussionen und Aktivitäten, vermittelt Hintergrundinformationen und
Argumente und stellt beispielhafte kirchliche Initiativen sowie
pastorale Anregungen vor. Die inhaltliche Auseinandersetzung mit
rechtspopulistischen Tendenzen orientiert sich an sechs thematischen
Schwerpunkten: (1) Welches Volk? Annäherungen an Phänomene des
Populismus, (2) Strategien und Inhalte rechtspopulistischer
Bewegungen, (3) Flucht und Asyl, (4) Islam und Islamfeindlichkeit,
(5) Familienbilder, Frauenbilder, Geschlechterverhältnisse sowie (6)
Identität und Heimat.

Im Anschluss an die Präsentation der Arbeitshilfe durch die drei
Bischöfe fand eine Podiumsveranstaltung statt, die einer kritischen
Analyse des Dokuments diente. Neben Prof. Dr. Lob-Hüdepohl nahmen
daran Bettina Jarasch (Abgeordnetenhaus Berlin), Prof. em. Dr. Werner
Patzelt (TU Dresden) und Dr. Siegfried Grillmeyer (Kompetenzzentrum
Demokratie und Menschenwürde der Katholischen Kirche Bayern) teil.
Moderiert wurde die Diskussion von der stellvertretenden Direktorin
der Katholischen Akademie in Berlin, Dr. Maria-Luise Schneider.

Hinweise:

Die Statements von Erzbischof Heße, Bischof Bode und Bischof
Ackermann sind als pdf-Dateien im Anhang sowie unter www.dbk.de zu
finden.

Die Arbeitshilfe Dem Populismus widerstehen. Arbeitshilfe zum
kirchlichen Umgang mit rechtspopulistischen Tendenzen ist als
pdf-Datei in der Rubrik Publikationen verfügbar. Dort kann diese auch
als Broschüre (Arbeitshilfen Nr. 305) bestellt werden.

Pressekontakt:
Kaiserstraße 161
53113 Bonn
Postanschrift
Postfach 29 62
53019 Bonn
Tel: 0228-103 -214
Fax: 0228-103 -254
E-Mail: pressestelle@dbk.de
Home: www.dbk.de
Herausgeber
P. Dr. Hans Langendörfer SJ
Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz

Original-Content von: Deutsche Bischofskonferenz, übermittelt durch news aktuell

Posted by on 25. Juni 2019.

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Categories: Vermischtes

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