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Dem kulturellen Erbe verpflichtet: Wittelsbacher Ausgleichsfonds mit Denkmalschutzmedaille ausgezeichnet

München/Berg, 28. Juni 2018. Am Donnerstagvormittag hat der Wittelsbacher Ausgleichsfonds (WAF) die Denkmalschutzmedaille des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege erhalten. „Wir schätzen die Auszeichnung, die für den Auftrag des WAF steht, das ihm anvertraute kulturelle Erbe des Hauses Wittelsbach zu bewahren und zu erhalten“, sagt Michael Kuemmerle, Vorsitzender der Geschäftsführung des Wittelsbacher Ausgleichsfonds. „Die kürzlich abgeschlossenen Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten an der Votivkapelle in Berg sind ein mustergültiges Beispiel für Kunst- und Bauwerkerhalt im Sinne des Denkmalschutzes“, erklärt Andreas von Majewski, Leiter der Inventarverwaltung des WAF anlässlich der feierlichen Übergabe.

Feuchtigkeit hatte sich in den vergangenen rund 120 Jahren im Mauerwerk der zu Ehren des Königs Ludwig II. errichteten Gedächtniskapelle angesammelt und Wand- und Deckenmalereien im Inneren beschädigt. „Bedingt wird die hohe Feuchtigkeit im Inneren vor allem durch Undichtigkeiten im Bauwerk, das vorherrschende Klima und die Lage der Votivkapelle: Nahe des Ufers am Starnberger See erbaut, steht die Kapelle umgeben von zahlreichen Bäumen, die Schatten werfen und nach Schlagregen das Trocknen der Mauern erschweren. Dennoch ist der ursprünglich gewählte Naturstein sehr geeignet für Standort und Klimaverhältnisse: Er ist dicht und nimmt wenig Wasser auf“, erklärt Martin Spaenle, leitender Architekt vom Architekturbüro Spaenle in München.

Um weitere Schäden zu vermeiden, hat der WAF bereits 2012 den selbstständigen Restaurator Klaus Klarner aus München mit der Schadensbegutachtung beauftragt. „Im ersten Schritt haben wir die Ursachen ermittelt und ein umfassendes Konzept erstellt. Dabei hat der Auftraggeber die nötige Zeit gegeben, um Überlegungen anzustellen und die optimalen Optionen für die Konservierung zu eruieren“, erläutert Klaus Klarner, der die restauratorische Projektleitung innehat.

Ursachenbekämpfung als erste Maßnahme

Ein erfahrenes Team von rund 35 Restauratoren, Steinmetzen und anderen Handwerkern, Architekten sowie ein Bauchemiker und ein Statiker haben in den vergangenen vier Jahren die von Prinzregent Luitpold von Bayern 1896 in Auftrag gegebene Gedächtniskapelle restauriert. Sie haben unter anderem das Anfang des 20. Jahrhunderts ergänzte Blechdach repariert und abgedichtet sowie die filigranen Verfugungen der Fassade wiederhergestellt, die durch die Witterungseinflüsse spröde geworden waren. Auch defekte Gläser an den Fenstern haben die Experten ausgetauscht und die Portale repariert, um der Schadensursache Feuchtigkeit entgegen zu wirken. In allen Fällen wurde bei den Materialien mit größter Sorgfalt auf deren Eignung zur Verwendung im historischen Baubestand geachtet.

Den größten Teil der Arbeiten machte die Sanierung der Malereien im Inneren der Kapelle aus. Feuchtigkeit hatte Putz und Farbaufträge von den Wänden gelöst. Klarner: „Da es sich um verschiedene Mal- und Fasstechniken handelt – mineralische, öl- und leimhaltige sowie Goldauflagen – haben wir unterschiedliche Bindemittel eingesetzt, die mit den jeweiligen Stoffen funktionieren, um Oberflächen zu reinigen, Putz und Malschicht zu sichern, zu festigen und Fehlstellen zu ergänzen. Restaurieren heißt nicht neu machen, sondern Bestand erhalten. Fehlstellen haben wir daher zurückhaltend ergänzt, damit die optische Wirkung der Malerei vom Standpunkt des Betrachters aus wiederhergestellt ist, die Spuren der Alterung gleichzeitig aber nicht ausgelöscht wurden.“

Bewahren im Sinne des Denkmalschutzes steht im Vordergrund

Dabei erfolgten die Arbeiten stets in engem Austausch mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. „In der heutigen Zeit lassen sich durch technische Möglichkeiten vielfältig Mängel an Gebäuden beseitigen. Doch nicht jede dieser Möglichkeiten ist nachhaltig im Sinne des Denkmalschutzes und Substanzerhalts. Die Votivkapelle hat ihre Vergangenheit und Geschichte. Diese müssen erhalten werden. Daher haben wir uns bei der Auswahl der Materialien am Gebäude orientiert und mithilfe eines Bauchemikers wissenschaftlich prüfen lassen, welche Werkstoffe langfristig geeignet sind. Wichtig war dabei, dass das Gebäude quasi atmen kann“, sagt Restaurator Klarner, der früher auch für das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege tätig war.

Trotz der langjährigen Erfahrung war die Votivkapelle vor allem technisch eine Herausforderung für das Restauratorenteam. Sie liegt in einem Waldstück, das nicht befahren werden kann. Zumal würde der Natursteinboden schweren Maschinen wie Hebebühnen nicht Stand halten. Einen Stromanschluss gibt es ebenfalls nicht. Spaenle: „Außerdem ist das Gebäude sehr hoch, es misst von außen 32 Meter und ist nur im Erdgeschoss begehbar. Innen liegt der Kuppelscheitel bei 22 Metern Höhe ohne Aufstiegsmöglichkeiten, weshalb ausschließlich mit Gerüsten gearbeitet werden musste. Herauszufinden, was dem weiterhin nicht elektrifizierten Gebäude gut tut und was – bei aller technologischen Finesse – besser unterlassen wird, war hierbei das Besondere.“

Seit Kurzem sind die letzten Arbeiten, wie das Anbringen eines Vogelschutzes am Portal, abgeschlossen. Dennoch wird es weiterhin ein Monitoring geben, das klimatische Messungen durchführt und auswertet, um auch in der Zukunft den optimalen Erhalt dieses Memorialbaus zu gewährleisten. Besucher können die Votivkapelle jährlich von April bis einschließlich Oktober besichtigen.

Posted by on 28. Juni 2018.

Categories: Kunst & Kultur

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