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BUND: Wir appellieren dringend an die Bundesregierung auf RWE einzuwirken, dass es nicht zu einer Rodung des Hambacher Waldes kommt (AUDIO)

Olaf Bandt, Geschäftsführer Politik und Kommunikation des Bund für
Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) über den Hambacher Wald,
die BUND-Klagen in dem Zusammenhang und die geplante
Groß-Demonstration.

Anmoderationsvorschlag: Die Waldspaziergänge für den Erhalt des
Hambacher Waldes sind inzwischen so etwas wie eine Institution
geworden. Jeden Sonntag treffen sich tausende Menschen und
demonstrieren vor Ort für den Erhalt des Hambacher Waldes. Vergangene
Woche waren es fast 10.000 Menschen und auch diese Woche werden
wieder viele Demonstranten erwartet. Für den 6. Oktober rufen
Umweltverbände außerdem zu einer Großdemonstration auf. Wir sprechen
mit Olaf Bandt, dem Geschäftsführer des Bund für Umwelt und
Naturschutz Deutschland (BUND) – einem der Organisatoren der Demo.

Erste Frage: Wie haben Sie den Waldspaziergang am vergangenen
Sonntag erlebt?

O-Ton 1 (Olaf Bandt, 70 Sek.): Es waren fast 10.000 Menschen, die
sich bei strömenden Regen aufgemacht hatten für diesen
Waldspaziergang, und man merkte Ihnen eine große Trauer und
Betroffenheit an, weil wenige Tage davor war es ja dazu gekommen,
durch diesen Unglücksfall, dass einer, ein Journalist und ein
Aktivist gleichzeitig, auf tragische Weise ums Leben gekommen war.
Und allen war klar: Man kann jetzt nicht so weitermachen. Es war ein
Waldspaziergang ohne Fahnen, ohne Transparente, eben in dieser Trauer
und Betroffenheit. Dann war es aber auch so, es gab einen großen Mut
und Entschlossenheit: Wir verhindern diese Rodung des Waldes. Wir
schaffen das irgendwie, wir haben schon so viel geschafft, und das
war bei allen zu spüren. Und drittens war es klar, die Menschen
wollten in den Wald, wo die Polizei sie erst nur mit Widerständen
reinlassen wollte, es gab Körperkontrollen, Durchsuchungen,
Personalausweise sollten gezeigt werden, um in den Wald zu kommen.
Und auch das haben wir dann geschafft, weil alle Menschen sehen
wollten, wie ist es denn bisher gelungen, wie leben die Baumschützer
in ihren Baumhäusern, wie ist es da gelungen diesen Wald so lange
bisher zu schützen vor der Rodung.

Zweite Frage: Was treibt die Menschen an, auch bei Regen für den
Hambacher Wald zu demonstrieren?

O-Ton 2 (Olaf Bandt, 34 Sek.): Wir hatten 2018 einen absoluten
trockenen Hitzesommer. Es zeigt sich also tatsächlich: Der
Klimawandel findet statt. Und in einer solchen Situation kann man
überhaupt nicht verstehen – und das war deutlich auf diesem
Waldspaziergang – dass man dann plötzlich noch wieder einen Wald
roden will, mit Polizeieinsatz, während an anderer Stelle ja
Waldbrände gelöscht werden und man versucht, absolut Wälder zu
retten. Und das war sehr deutlich zu spüren, dass RWE überhaupt keine
Akzeptanz mehr hat für das, was sie da aus wirtschaftlichen Gründen
durchsetzen wollen.

Dritte Frage: Was ist der ökologische Wert des Waldes?

O-Ton 3 (Olaf Bandt, 54 Sek.): Der Hambacher Wald besteht in
seiner Grundstruktur seit jetzt 12.000 Jahren. Wir haben dort noch
Bäume stehen, die 300 Jahre alt sind, viele Vogelarten – 142
Vogelarten, zwölf Fledermausarten. Insbesondere die
Bechstein-Fledermaus hat nur noch ganz, ganz wenige Brutgebiete in
Europa in den Wäldern und deswegen ist sie streng geschützt nach
Europäischem Recht. Diese Wohnhöhlen dürfen nicht zerstört werden,
die Tiere dürfen nicht getötet werden. Und was man dort im Wald sieht
ist: Die werden nummeriert die Bäume, wo diese Höhlen drin sind, und
zum Teil wurden sie schon verschlossen, damit die da nicht mehr drin
nisten, weil sich RWE vorstellt, dass man sie dadurch vertreibt in
andere Wälder, und dann hinterher leichter zu roden ist. Das ist ein
sehr bedrückender Zustand und deshalb kämpfen wir mit aller Kraft vor
Gesetz und mit unseren Demonstrationen dafür, dass es zu dieser
Rodung nicht kommt.

Vierte Frage: Warum setzt sich auch der BUND-Bundesverband so
stark für den Wald ein?

O-Ton 4 (Olaf Bandt, 45 Sek.): Die Pariser Klimaziele sagen, dass
wir bis 2050 komplett aus der Verbrennung von Kohle und anderen
fossilen Brennstoffen ausgestiegen sein müssen. Wenn wir das aber
erreichen wollen bis dahin, müssen wir jetzt sehr schnell die
Verbrennung von Braunkohle insbesondere zurückfahren. Und da ist
Hambach ein zentraler Punkt. Das ist Europas größter
Braunkohle-Tagebau und es ist sehr gut möglich sehr schnell die
Verbrennung und den Abbau von Kohle dort zu reduzieren, weil es sind
zum Teil alte, sehr alte Kohlekraftwerke, die man relativ schnell
stilllegen kann. Und deswegen konzentrieren wir uns im Moment sehr
stark auf den Hambacher Wald, weil dieser Wald ist zum absoluten
Symbol gegen die verfehlte Klimapolitik der Bundesregierung geworden.

Fünfte Frage: Über die Zulässigkeit der Rodung wird aktuell wegen
einer Klage des BUND vor dem Oberverwaltungsgericht Münster
verhandelt. Auf Druck des Gerichtes hat RWE erklärt, nicht vor dem
14. Oktober mit den Rodungen zu beginnen. Gleichzeitig laufen noch
andere Klagen. Wie ist der Stand?

O-Ton 5 (Olaf Bandt, 90 Sek.): Der BUND hat Klage gegen die Rodung
des Waldes eingereicht und grundsätzlich gegen die Ausweitung des
Tagebaus. Weil das, was da jetzt im Wald da ist, das sind so dermaßen
einzigartige Naturschutzgebiete und Habitate für Vögel und
Fledermäuse, dass die nach Europäischem Naturschutzrecht definitiv
nicht zerstört werden dürfen. Das machen wir in einem
Grundsatzverfahren, was 2019 wahrscheinlich verhandelt wird, und in
einem Eilverfahren, wo wir jetzt wollen, vor Gericht erzielen wollen,
dass dieser Wald nicht vorher gerodet wird. Weil es kann sein, dass
die Grundsatzentscheidung erst 2019 fällt und dann schon der Wald
gerodet wäre. Und das versuchen wir jetzt zu verhindern und ich
vermute, dass diese Sache im Eilverfahren gegen die Rodung jetzt in
diesem Jahr noch im Oktober entschieden wird. Wir klagen zusätzlich
auch gegen die Enteignung eines BUND-Grundstückes, weil wir dort am
Rande des Waldes vor vielen Jahren schon ein eigenes
BUND-Schutzgrundstück gekauft haben, weil wir gesagt haben, wir
wollen sicher sein, dass es nicht zu dieser Rodung kommt. Und da sagt
jetzt die Landesregierung, die will uns enteignen als BUND, weil
sozusagen öffentliche Interessen dem widerstehen, unserem
Grundbesitzrecht, und da sagen wir: Es gibt im Moment keine
öffentlichen Interessen an dieser Stelle weiter den Tagebau zu
erweitern, weil wir sicher sind, dass nach der Kohle-Kommission
deutlich wird, dass man diesen Tagebau nicht weiter erweitern müsste.

Sechste Frage: Wie geht es jetzt weiter?

O-Ton 6 (Olaf Bandt, 28 Sek.): Wir rufen für Samstag, den 6.
Oktober, zu einer Großdemonstration am Hambacher Wald auf, weil es
braucht jetzt ein starkes Zeichen der Zivilgesellschaft, dass es
keinesfalls zu einer Räumung und Rodung des Waldes kommen darf. RWE
muss sofort aufhören mit der weiteren Räumung des Waldes und auch die
Landesregierung NRW muss sich dafür einsetzen, dass alle Maßnahmen am
Wald in Hambach gestoppt werden, so dass die Kohle-Kommission der
Bundesregierung in Ruhe verhandeln kann.

Siebte Frage: Was passiert, wenn RWE nach dem 14. Oktober rodet?

O-Ton 7 (Olaf Bandt, 49 Sek.): In Berlin tagt ja zeitgleich die
Kohle-Kommission. Die soll einen gesellschaftlichen Kompromiss für
das Auslaufen der Kohleverstromung in Deutschland erzielen und
verhandeln. Wir Verbände, die in der Kohle-Kommission sitzen – BUND,
Greenpeace, der Deutsche Naturschutzring – können uns nicht
vorstellen, in einem Szenario weiter zu verhandeln, wenn gleichzeitig
sozusagen in Hambach die Bäume gerodet werden würden. Weil in solch
einer Kampfsituation kann man keine gesellschaftlichen Kompromisse
schließen. Und deswegen darf es dazu gar nicht kommen, wir
appellieren dringend an die Bundesregierung, auf RWE einzuwirken,
dass es nicht zu dieser Rodung kommt und dass jetzt auch die jetzige
Räumung schnell eingestellt wird.

Abmoderationsvorschlag: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Bandt.

Pressekontakt:
Olaf Bandt, BUND-Geschäftsführer Politik und Kommunikation, Tel.:
030-27586-438, E-Mail: olaf.bandt@bund.net, bzw. Katrin Matthes,
BUND-Pressereferentin, Tel.: 030-27586-531; E-Mail: presse@bund.net,
www.bund.net

Am Sonntag wird beim Waldspaziergang vor Ort sein: Dirk Jansen,
Geschäftsführer BUND in Nordrhein-Westfalen, Mobil: 0172-2929733,
E-Mail: dirk.jansen@bund.net

Original-Content von: BUND, übermittelt durch news aktuell

Posted by on 28. September 2018.

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Categories: Industrie, Vermischtes

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