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Bilanz-Horror / Kommentar zur Deutschen Bank von Bernd Neubacher

Die Deutsche Bank hat ein Milliardenergebnis eingefahren,
allerdings wieder einmal mit negativem Vorzeichen. Zum fünften Mal in Folge wird
den Aktionären ein Fehlbetrag zugerechnet, diesmal von nicht weniger als 5,7
Mrd. Euro. Überhaupt kommen Bilanzhorror-Fans bei Lektüre des Zahlenwerks auf
ihre Kosten, etwa beim Blick auf die Aufwandsquote von 120% und die
Eigenkapitalrendite von minus 12,6% im Schlussquartal – oder die
schwindelerregende Summe von 15 Mrd. Euro, die das Haus seinen Aktionären seit
2015 an Verlusten beschert hat. Anteilseigner, die dem Titel dennoch seither die
Stange gehalten haben, werden es auch verkraften, sollten sie für 2019 abermals
mit der Minidividende abgespeist werden, während Hunderte von
Deutsche-Bank-Angestellten jeweils mehr als 1 Mill. Euro kassieren. Alles beim
Alten in der Deutschen Bank? Nicht ganz.

Dagegen spricht schon der Kurssprung, der den Wert, seit dem Investorentag im
Dezember ohnehin im Aufwärtstrend, am Donnerstag an die Spitze des Dax 30
katapultierte. Die Investoren honorieren damit, dass das Management den Umbau
des Konzerns nicht nur angepackt, sondern dabei zumindest bislang auch mehr oder
weniger alle Ziele eingehalten hat. Vor allem flößt ihnen Hoffnung ein, dass die
Erträge des Konzerns im Schlussquartal nicht so stark gefallen sind wie
erwartet, weil der Handel mit Festverzinslichen dank freundlicher Märkte und
eines strammen Basiseffekts 31% mehr Ertrag eingespielt hat als vor Jahresfrist
– auch wenn die Steigerungsraten bei US-Wettbewerbern zum Teil doppelt so hoch
ausgefallen sind.

Die Restrukturierung bleibt indes ein Ritt auf der Rasierklinge. Dass etwa der
im Sommer beschlossene Rückzug aus dem Aktienhandel an anderen Bereichen nicht
spurlos vorübergeht, zeigen Ertragsrückgänge im Aktienemissions-, im
Beratungsgeschäft sowie im Segment Wertpapierdienste. Die Ergebnislage bleibt
ohnehin prekär: Die Unternehmensbank, Vorzeigeobjekt der strategischen
Planungen, und das Privatkundengeschäft sind im Schlussquartal infolge höherer
Kosten in die Verlustzone gedreht, die Investmentbank schrieb weiter rote
Zahlen.

Der Vorstand um Christian Sewing schafft es inzwischen gleichwohl, die Anleger
bei Laune und die Aktionäre kurzzuhalten. Dies ist keine geringe
Management-Leistung. Ob die Bank es deshalb schafft, derart nach vorn zu kommen,
wie es ihre Strategie für Ende 2022 vorsieht, steht noch dahin. Vertrauen im
Markt ist dafür zwingende, aber nicht hinreichende Voraussetzung.

Pressekontakt:

Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069–2732-0
www.boersen-zeitung.de

Weiteres Material: https://www.presseportal.de/pm/30377/4507253
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Posted by on 30. Januar 2020.

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