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BERLINER MORGENPOST: S-Bahn nicht zerschlagen / Kommentar von Thomas Fülling zu neue Anbieter für Berliner S-Bahn

Kurzform: Das Berliner S-Bahn-Netz ist wegen seiner
Besonderheiten ein Gesamtsystem, das nicht mutwillig zerschlagen
werden darf. Genau das droht aber, wenn Senatorin Günther ihr Konzept
umsetzt. Die von ihr vorbereitete Ausschreibung von Stadtbahn und
Nord-Süd-Linien lässt bis zu neun Bieter-Konstellationen zu. Im
Extremfall könnte es bei der S-Bahn bis zu sechs unterschiedliche
Unternehmen geben, die einerseits für die Bereitstellung der Züge,
andererseits für den Fahrbetrieb zuständig sind. Experten warnen
bereits vor vielen zusätzlichen Schnittstellen sowie einem
Kompetenz-Wirrwarr. Vor allem, wenn im S-Bahn-Betrieb wieder einmal
etwas nicht funktioniert, sind lange juristische Streitigkeiten
absehbar.

Der vollständige Kommentar: Konkurrenz belebt das Geschäft. Diese
Binsenweisheit der Marktwirtschaft hat sich im Alltag vielfach
bewährt. So gesehen scheint Verkehrssenatorin Regine Günther
(parteilos, für Grüne) jetzt alles richtig zu machen, wenn sie
erreichen will, dass bei der Berliner S-Bahn künftig mehrere Anbieter
tätig werden. Skepsis an diesem Konzept, wie sie bei den
Koalitionspartnern der Grünen laut wird, ist dennoch mehr als
angebracht. Zuallererst, weil der Nahverkehr eben kein frei von
Angebot und Nachfrage bestimmter Service ist, sondern Teil der
urbanen Grundversorgung. Kein Mensch würde auf die Idee kommen, das
Trinkwassernetz der Stadt in unterschiedliche Hände zu legen, damit
sich die Wasserqualität verbessert. Auch das Berliner S-Bahn-Netz ist
wegen seiner Besonderheiten ein Gesamtsystem, das nicht mutwillig
zerschlagen werden darf. Genau das droht aber, wenn Senatorin Günther
ihr Konzept umsetzt. Die von ihr vorbereitete Ausschreibung von
Stadtbahn und Nord-Süd-Linien lässt bis zu neun
Bieter-Konstellationen zu. Im Extremfall könnte es bei der S-Bahn bis
zu sechs unterschiedliche Unternehmen geben, die einerseits für die
Bereitstellung der Züge, andererseits für den Fahrbetrieb zuständig
sind. Experten warnen bereits vor vielen zusätzlichen Schnittstellen
sowie einem Kompetenz-Wirrwarr. Vor allem, wenn im S-Bahn-Betrieb
wieder einmal etwas nicht funktioniert, sind lange juristische
Streitigkeiten absehbar. Keine Frage: Die Qualität des aktuellen
S-Bahnangebots ist für viele Nutzer ungenügend. Verbesserungen sind
dringend geboten. Die werden allerdings nicht mit einer in Europa
bislang einmalig komplizierten und unübersichtlichen Ausschreibung
erzielt. Notwendig ist vielmehr, rasch neue Züge für die S-Bahn zu
bekommen sowie wirksame Sanktionen zu ergreifen, wenn der
S-Bahn-Betreiber die Qualitätsvorgaben nicht erfüllt. Die
Zerschlagung der Berliner S-Bahn ist ein Irrweg.

Pressekontakt:
BERLINER MORGENPOST

Telefon: 030/887277 – 878
bmcvd@morgenpost.de

Original-Content von: BERLINER MORGENPOST, übermittelt durch news aktuell

Posted by on 24. April 2019.

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Categories: Politik & Gesellschaft

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