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Beachvolleyball-Olympiasiegerin Kira Walkenhorst im Sporthilfe-Interview: \“Es wird weh tun, bei der Heim-WM zuschauen zu müssen\“

Beachvolleyball-Olympiasiegerin Kira
Walkenhorst, die aufgrund einer langen Verletzungsserie Anfang des
Jahres ihr Karriereende bekanntgegeben hatte, stellt im Interview mit
der Deutschen Sporthilfe ein Comeback bis hin zur Olympiateilnahme
2024 in Paris in Aussicht. Außerdem erklärt sie, warum sie sich –
anders als Diskus-Olympiasieger Christoph Harting – immer wieder für
ein Leben als Leistungssportlerin entscheiden würde. Die
Wahl-Hamburgerin spricht auch über die Schmerzen, bei der anstehenden
Heim-WM (28.06. bis 7.07.2019) nur zuschauen zu dürfen und ordnet die
Medaillenchancen der deutschen Männer und Frauen ein, insbesondere
auch ihrer früheren Teampartnerin Laura Ludwig, mit der sie zwischen
2015 und 2018 Olympiasiegerin, Welt- und Europameisterin geworden
war. Darüber hinaus erzählt die 28-Jährige, die gemeinsam mit ihrer
Ehefrau Maria vergangenen Oktober Mutter von Drillingen geworden ist,
wie sie in ihr aktuelles Leben abseits des Beachvolleyball-Courts
gefunden hat.

Deutsche Sporthilfe: Wie geht es Dir aktuell?

Kira Walkenhorst: Müde [lacht]. Nein im Ernst, abgesehen vom
Schlafmangel aufgrund der Drillinge eigentlich ganz gut.
Gesundheitlich bin ich deutlich fitter als noch vor ein paar Monaten.
Ich habe im Frühjahr eine neue Therapie bei einem Heilpraktiker
begonnen, die großartig angeschlagen hat. Ich bin noch nicht wieder
komplett schmerzfrei, aber es geht mir viel besser als die letzten
Jahre. Ich habe auch wieder angefangen, Sport zu machen.

War es somit verfrüht, im Januar Dein Karriereende zu verkünden?

K.W.: Im letzten Jahr hatte ich die Hoffnung aufgegeben, dass es
nochmal funktionieren kann. Ich war wirklich durch. Täglich zu Ärzten
zu rennen, aber immer wieder zu hören, es sei alles gut, wir finden
nichts, aber im Training springt nach zehn Minuten die Rippe wieder
raus, die Schulter tut weh, alle Gelenke tun weh – das wollte ich
nicht mehr, das kann ich nicht mehr. Ich habe mich von Laura [Ludwig;
d. Red.] getrennt, damit sie ihre Ziele mit Tokio 2020 und der
Weltmeisterschaft dieses Jahr mit einer gesunden Partnerin angehen
kann. Selbst wenn ich nächstes Jahr wieder einsteigen könnte, gäbe es
keine Chance mehr, mich für Tokio zu qualifizieren. Von daher ist es
quasi erst einmal mein Karriereende gewesen. Dass ich mich jetzt
bereits wieder so gut fühle, ist überraschend. Beachvolleyball war
und ist mein Leben und ich würde natürlich wieder gerne anfangen zu
spielen. Ob nur national oder aber auf der internationalen Tour oder
ob ich sogar nochmal vier Jahre weitermache bis Paris 2024, das wird
sich zeigen. Ganz die Finger vom Ball lassen kann ich jedenfalls noch
nicht.

Diskus-Olympiasieger Christoph Harting hat letztens in einem
Interview Kindern vom Leistungssport abgeraten, er selbst habe
zuletzt mit 14 Jahren Spaß daran gehabt.

K.W.: Das ist eine krasse Aussage. Natürlich ist Leistungssport
nicht immer der pure Sonnenschein, es ist harte Arbeit, sehr viel
Verzicht, man muss raus aus der Komfortzone und da rein, wo es weh
tut und anstrengend wird. Wenn man dann noch den Spaß am Sport
verliert, dann kann ich seine Aussage verstehen. Mir hat es – trotz
aller Verletzungen – immer Spaß gemacht. Außerdem habe ich super viel
aus dem Sport mitgenommen. Ich würde den Leistungssport auf jeden
Fall immer wieder wählen.

Mit dem WM-Titel 2017 hattest Du nach dem Olympiasieg 2016 und den
EM-Titeln 2015 und 2016 alles gewonnen, was man im Beachvolleyball
erreichen kann. Was hat Dich danach noch weiter motiviert?

K.W.: Das war nach 2017 ziemlich schnell klar: Die Heim-WM. Sie
war der nächste große Traum, den wir hatten. Wir haben schon einige
Turniere in Hamburg gespielt, die immer Gänsehaut pur waren. Dort
sind so viele begeisterte Zuschauer und Fans, dass die Atmosphäre
einfach gigantisch ist. Dort wollten wir dieses Jahr unser bestes
Beachvolleyball spielen. Und anschließend hätte der Fokus auf der
Olympia-Qualifikation für Tokio gelegen mit dem Ziel, nochmal eine
Medaille zu holen.

Wie weh tut es, bei der Heim-WM nicht dabei zu sein?

K.W.: Bisher ging es noch, ich bin zuhause mit den Drillingen sehr
gut abgelenkt. Auch wenn ich mir TV-Übertragungen anschaue, geht es
eigentlich noch. Ich weiß aber, dass es bei der WM, wenn ich dann vor
Ort bin, schmerzen wird, weil es einfach ein geiles Turnier ist. Und
da will man auf dem Feld stehen und zeigen, was man kann. Also wird
es definitiv weh tun.

Was erwartest Du von den deutschen Teams?

K.W.: Da bin ich wahnsinnig gespannt. Bei den Männern können
Julius Thole und Clemens Wickler oben mitmischen, wenn sie es
hinkriegen, sich nicht selbst zu sehr unter Druck zu setzen und ein
gutes Ergebnis erzwingen wollen. Eine Medaille wäre ein riesen
Erfolg, die ich ihnen sehr gönnen würde. Ich hoffe auch, dass die
Frauen sich gut präsentieren. Victoria Bieneck und Isabel Schneider
haben als gestandenes Team zuletzt noch nicht so richtig ihren
Rhythmus gefunden, aber ich hoffe, dass da der Knoten noch platzt,
und dann werden sie auch wirklich gut mitspielen können. Für die, die
sich seit Jahresbeginn neu gefunden haben, ist dagegen bis hierher
wenig Zeit gewesen. Karla Borger und Julia Sude haben aber auf den
letzten Turnieren schon gezeigt, dass sie gute einstellige
Platzierungen machen können. Ich setze aber auch noch auf Laura
Ludwig/Margareta Kozuch, weil ich weiß, wie sie arbeiten und dass sie
den Schwerpunkt auf die WM setzen. Sie haben zuletzt viel über die
anderen Turniere hinwegtrainiert, um Erfahrung zu sammeln, haben
nochmal Techniken umgestellt. Sechs Monate, die sie zusammen hatten,
sind eine knackige Zeit, um sich zusammen zu finden, aber ein
Heimpublikum kann auch ordentlich pushen. Von daher ist für alle
Teams vielleicht noch einmal ein Schritt mehr drin.

Du hast die Rotation angesprochen, die Deine Trennung von Laura
nach sich zog. Hat Dich das beschäftigt, dass Du dafür der Auslöser
warst?

K.W.: Dass Chantal [Labourer; Anm. d. Red.] anfangs ohne Partnerin
dastand, tat mir total leid für sie. Ich habe mir aber keine Vorwürfe
gemacht, weil es von mir keine Null-Bock-Entscheidung gewesen war.
Ich war sehr überrascht von den Teamkonstellationen, die jetzt neu
entstanden sind – ich weiß nicht, ob ich das unbedingt so gemacht
hätte an deren Stelle -, aber es gehört im Leistungssport dazu, wenn
Laura als Olympiasiegerin eine neue Partnerin sucht, dass dann andere
Teams auseinandergerissen werden. Ich bin froh, dass Chantal noch
eine gute Partnerin [Sandra Ittlinger; Anm. d. Red.] gefunden hat,
mit der sie den Weg gehen kann.

Aktuell musst Du Dich aufgrund der unklaren Zukunft auch mit dem
Leben nach der Karriere beschäftigen, bist gelernte
Physiotherapeutin, aber willst erstmal nicht darin arbeiten. Fühltest
Du Dich gut auf das Leben nach der Karriere vorbereitet?

K.W.: Langweilig wird mir definitiv zuhause mit den Drillingen
nicht. [lacht] Aber was heißt vorbereitet? Letztendlich kam der Cut
ja dann doch auch für mich überraschend. Direkt am Anfang habe ich
viele Gespräche geführt, habe im Beachvolleyball noch zwei tolle
Werbepartner, mit denen ich zusammenarbeite. Zusätzlich bin ich
dabei, mir ein Standbein als Trainer für Jedermann-Camps aufzubauen,
bin ab August zusammen mit wirklichen Weltstars Teil einer weltweiten
Kosmetik-Werbekampagne und arbeite aktuell mit meinem Management an
hochinteressanten TV-Projekten. Und ich habe das Angebot der
Sporthilfe zum Key-Note-Speaker-Training angenommen, das ist eine
super Sache. Ich hatte schon im Vorfeld überlegt, ob ich zukünftig in
Vorträgen meine Erfahrungen aus dem Leistungssport weitergeben kann,
hatte nur absolut keine Ahnung, wie ich dieses Thema angehe. Von
daher freue ich mich sehr, dass ich jetzt mit Hilfe dieses Coachings
meine Idee umsetzen konnte. Ich habe also neue Projekte, auf die ich
mich wahnsinnig freue, habe neue Herausforderungen, die auch nicht so
viel Zeit einnehmen, so dass ich trotzdem zuhause 24/7 Mutti sein
kann.

Du wurdest in letzter Zeit öfters in Talksendungen eingeladen, zu
Markus Lanz oder \“Tietjen und Bommes\“, in denen Deine Lebenssituation
mit Deiner Frau und den Drillingen Thema war. Findest Du es wichtig,
dass sich Spitzensportler gesellschaftspolitisch äußern, ihre
Popularität nutzen?

K.W.: Ich habe lange überlegt, weil die Tatsache, dass Maria und
ich verheiratet und wir Eltern geworden sind, für mich Normalität
ist. Wenn ich mich aber dazu äußere und es ein Thema ist, dann
bekommt es eine Sonderstellung. Das will ich nicht. Aber als wir
Kinder bekommen haben, ist uns aufgefallen, dass wir in vielerlei
Hinsicht noch nicht gleichgestellt sind im Vergleich zu Ehen von Mann
und Frau. Man meint, weil Deutschland die Ehe für alle erlaubt hat,
wäre alles gut. Nein, das ist es noch lange nicht. Es sind viele
Sachen, mit denen wir uns auch heute noch rumärgern, zum Beispiel mit
dem Adoptionsantrag. Es muss sich diesbezüglich noch einiges ändern,
und deshalb nutze ich meine Stimme jetzt bewusst. Ich glaube aber,
während der aktiven Zeit ist es für jeden Sportler schwierig,
zusätzlich noch viel Engagement in politische Themen zu stecken. Für
viele Menschen sind Spitzensportler sicherlich Vorbilder, aber
während der aktiven Zeit hätte es ein paar Prozent von unserer
Leistung gemindert. Von daher ist es aktuell für mich einfacher,
Stellung zu beziehen.

Kira Walkenhorst gewann gemeinsam mit Laura Ludwig bei den
Olympischen Spielen 2016 die Goldmedaille, ein Jahr später wurden sie
Weltmeister. Bereits 2015 und 2016 hatten sich die \“Golden Girlz\“
jeweils den EM-Titel gesichert. Deutschlands Sportjournalisten
wählten sie 2016 und 2017 zur \“Mannschaft des Jahres\“. Die
Ausnahme-Blockerin hatte in ihrer erfolgreichen Karriere immer wieder
mit Verletzungen wie Kreuzbandriss, Pfeiffersches Drüsenfieber,
Meniskusschaden, Schulter- und Hüftblessuren zu kämpfen. Im Januar
dieses Jahres gab sie aufgrund anhaltender gesundheitlicher Probleme
ihren Rücktritt vom Leistungssport bekannt. Ihre Ehefrau Maria
brachte im Oktober 2018 die Drillinge Mo, Pepe und Emma zur Welt. Von
der Sporthilfe wurde die heute 28-Jährige über neun Jahre gefördert.
Aktuell nimmt sie am Sporthilfe-Speaker-Training teil.

Abdruck honorarfrei. Quelle: Deutsche Sporthilfe.

Pressekontakt:
Stiftung Deutsche Sporthilfe
Heike Schönharting
Otto-Fleck-Schneise 8
60528 Frankfurt am Main
Tel: 069/67803 – 511
Fax: 069/67803 – 599
E-Mail: heike.schoenharting@sporthilfe.de
Internet: www.sporthilfe.de

Original-Content von: Stiftung Deutsche Sporthilfe, übermittelt durch news aktuell

Posted by on 22. Juni 2019.

Categories: Sport

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