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Börsen-Zeitung: Transparent und souverän, Kommentar zur US-Notenbank von Peter de Thier

Dass er eine schwierige Gratwanderung zu
meistern haben würde, das war US-Notenbankchef Jerome Powell vor der
jüngsten Sitzung des Offenmarktausschusses völlig klar. Eine Änderung
des Leitzinses stand zwar nie zur Debatte. Hätte Powell aber vor dem
Hintergrund der allgemeinen Erwartungshaltung keine Zinssenkung in
Aussicht gestellt, dann drohte ein Kurssturz an den Aktienmärkten.
Wäre die Anspielung auf eine oder mehrere monetäre Lockerungen
hingegen zu akkommodierend gewesen, dann hätte sich der oberste
Währungshüter dem Vorwurf ausgesetzt, dem ständigen politischen Druck
seitens des Weißen Hauses nachzugeben.

Schließlich drängt US-Präsident Donald Trump die Fed seit Monaten
unermüdlich, den Geldhahn wieder aufzudrehen. Trump sieht nicht etwa
in seiner Handelspolitik, sondern vielmehr in den 2018 beschlossenen
Straffungen den Hauptgrund für das abgeschwächte Wirtschaftswachstum.
Zugute halten muss man dem obersten Währungshüter, dass er den
Balanceakt souverän bewältigt hat. Dass Powell wörtlich seine Aussage
von Anfang Juni wiederholte, wonach die Fed je nach konjunktureller
Entwicklung \“angemessen\“ handeln würde, sollte Marktteilnehmer
insofern beruhigen, als er damit Transparenz und Vorhersehbarkeit
signalisiert hat. Obwohl Marktteilnehmer schon für Juli eine Senkung
erwarten, ist offen, wann und wie oft die Fed die Zügel lockern wird.
Kommt es zu keinen signifikanten Abweichungen von den
Konjunkturprognosen, dann dürften 2020 ein oder zwei Zinssenkungen
vorgezeichnet sein.

Auffallend ist, dass die Initialzündung hierfür aber nicht etwa
von schwächerem Wachstum ausgehen würde. Im Gegenteil: Ungeachtet der
ungelösten Handelskonflikte und des schwächeren globalen Wachstums
schätzt die Zentralbank nämlich die Aussichten für die US-Wirtschaft
im kommenden Jahr sogar günstiger ein als noch im März. Auch dürfte
sich in den Augen der Währungshüter der Aufschwung am Arbeitsmarkt
sogar leicht beschleunigen. Ausgelöst werden könnten Zinssenkungen
vielmehr durch geringen Inflationsdruck.

Demnach wird die PCE-Rate, das bevorzugte Inflationsmaß der Fed,
deutlich unterhalb der Zielgröße von 2 Prozent liegen. Eine Lockerung
der monetären Zügel würde in erster Linie darauf abzielen, die
Teuerungsrate leicht nach oben zu drücken. Trump könnte seine
ersehnten Zinssenkungen also bekommen. Womöglich wird er noch bis zum
Wahljahr 2020 darauf warten müssen. Das freilich interessiert Jerome
Powell herzlich wenig.

Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069–2732-0
www.boersen-zeitung.de

Original-Content von: Börsen-Zeitung, übermittelt durch news aktuell

Posted by on 20. Juni 2019.

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Categories: Vermischtes

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