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Allgemeine Zeitung Mainz: Mit Sicherheit / Kommentar von Rainer H. Schlender zu den Folgen der Mordtat in Frankfurt

Aus einem freien Land kann man keinen
Hochsicherheitstrakt machen. Es ist richtig, darüber nachzudenken,
wie Gefahrenstellen an Verkehrsknotenpunkten entschärft werden
können. Gleichzeitig wäre es pure Illusion zu glauben, dass mit
Absperrgittern, Zugangskontrollen oder Videokameras eine solch
fürchterliche Mordtat verhindert werden könnte, wie sie sich am
Montagvormittag im Frankfurter Hauptbahnhof ereignet hat. Jahrzehnte
würden vergehen, bis an allen 5600 Bahnhöfen Sicherheitsschleusen
eingerichtet wären, die Reisende zuverlässig vom Gleisbett
fernhalten. Und sie würden doch nicht verhindern können, dass ein
psychisch gestörter oder gewissenlos gewalttätiger Mensch ein
Zufallsopfer vor den nächsten Bus oder Mülllaster stößt. Mit diesem
Teil der Debatte, die am Montag begonnen hat, muss man sich also
nicht allzu lange aufhalten. Weitaus dringender ist der Kampf gegen
die zunehmende Verrohung. Wie tief sie sich in die Gesellschaft
gefressen hat, zeigen die Reaktionen auf das traumatische Ereignis an
Gleis 7. Bundesinnenminister Horst Seehofer will diesen Kampf
aufnehmen. Das hat er zu erkennen gegeben, indem er seinen Urlaub
abgebrochen und die politische Bewältigung des schrecklichen Vorfalls
an sich gezogen hat – mit Anteilnahme und kühler Entschlossenheit.
Auch solch unfassbare Attentate auf die Menschlichkeit dürfen niemals
zum Vorwand genommen werden, die Jagd auf andere Menschen
freizugeben. Seehofer hat offenbar aus den überkochenden
Flüchtlingsdebatten die richtigen Lehren gezogen.

Pressekontakt:
Allgemeine Zeitung Mainz
Zentraler Newsdesk
Telefon: 06131/485946
desk-zentral@vrm.de

Original-Content von: Allgemeine Zeitung Mainz, übermittelt durch news aktuell

Posted by on 30. Juli 2019.

Tags:

Categories: Kunst & Kultur

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