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Allg. Zeitung Mainz: Schocktherapie / Kommentar von Reinhard Breidenbach zu Gaffern

Manchmal erkennt man Menschen gar nicht wieder. Wenn
sie auf der Fußballtribüne ausrasten, zum Beispiel. Das ist harmlos.
Oder hinterm Steuer. Das kann schon gefährlich werden. Ein sozialer
Tiefpunkt ist erreicht, wenn Leute, denen man das nie zugetraut
hätte, in extremen Situationen zum Handy greifen, um zu filmen,
anstatt Hilfe herbei zu telefonieren oder sich vom Acker zu machen,
weil sie in einer gefährlichen Situation stören oder gar
Hilfsmaßnahmen behindern. Das Thema heißt: Gaffen, zum Beispiel nach
Unfällen auf der Autobahn. Und noch schlimmer: Wie eine Seuche haben
sich in den vergangenen Jahren Fälle ausgebreitet, in denen
Hilfskräfte sogar angegriffen wurden. Das ist kriminell, und an
dieser Stelle hilft ausschließlich die volle Härte des Gesetzes. Null
Toleranz gegenüber Idioten oder Chaoten. Wir leben in einer Zeit, die
durch grassierende Respektlosigkeit, hemmungslose Sensationsgier und
sinkende Hemmschwellen bei der Anwendung physischer und psychischer
Gewalt gekennzeichnet ist. Hysterie greift um sich. Das ist dekadent.
Das Netz hat daran einen beträchtlichen Anteil. Technische
Entwicklungen lassen sich nicht zurückdrehen, aber vieles ließe sich
durch Erziehung in Familie und Schule vorbeugend zum Besseren wenden.
Wenn Vorbeugung nicht ausreicht und vorhandene Strafen auch nicht,
müssen die Strafen empfindlicher werden. Diese Erkenntnis ist alt,
aber sie bleibt richtig. Die Schocktherapie des bayerischen
Polizisten – das Angebot an Gaffer, sich Leichen anzuschauen – könnte
jedenfalls durchaus erzieherische Wirkung entfalten.

Pressekontakt:
Allgemeine Zeitung Mainz
Zentraler Newsdesk
Telefon: 06131/485946
desk-zentral@vrm.de

Original-Content von: Allgemeine Zeitung Mainz, übermittelt durch news aktuell

Posted by on 23. Mai 2019.

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Categories: Politik & Gesellschaft

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