83 Millionen Euro für grausame Grundlagenforschung an Tieren in Oldenburg

Ab dem Jahr 2027 soll am Universitätsstandort Oldenburg-Wechloy ein neues Forschungsgebäude namens\“NaviGate\“zur Erforschung der Navigation von Tieren errichtet werden. Die veranschlagten Gesamtkosten von 83 Millionen Euro werden jeweils zur Hälfte vom Bund und dem Land Niedersachsen getragen – und damit aus Steuergeldern. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche e.V. kritisiert dieses Vorhaben. Aus Sicht des Vereins stellt das Projekt eine Fehlinvestition öffentlicher Gelder in die tierexperimentelle Grundlagenforschungdar, während moderne, tierversuchsfreie und für die menschliche Gesundheit sinnvolle Methoden weiterhin kaum gefördert werden.
Der geplante Neubau soll eine Nutzfläche von rund 2.800 Quadratmetern umfassen, wovon 60 Prozent für Laborbereiche vorgesehen sind. Das technische Kernstück bildet eine Kuppel mit einem Durchmesser von 18 Metern, in der das Orientierungsverhalten von Vögeln, Insekten, Fischen und Mikroorganismen analysiert werden soll. Durch die Simulation von künstlichen Magnetfeldern sowie Störfaktoren wie Elektrosmog und Lichtverschmutzung sollen Erkenntnisse über die Sinnesbiologie und Neurosensorik der Tiere gewonnen werden. Für Ärzte gegen Tierversuche ist dieses Vorhaben ein massiver ethischer und wissenschaftlicher Rückschritt.
Bereits vor acht Jahren hatte der Verein gegen die Tierversuche an der Universität Oldenburg protestiert, bei denen gefangene Rotkehlchen und andere Vögel grausamen Experimenten ausgesetzt und getötet wurden. So wurden Rotkehlchen in einem kleinen, mit Papier ausgekleideten Kasten gesetzt, in dem sie bei ihren vergeblichen Flugversuchen in die ihnen angeborene Zugrichtung Kratzspuren hinterließen.
\“Es ist unbegreiflich, dass 83 Millionen Euro an Steuergeldern bereitgestellt werden, um Wildtiere für reine Neugierforschung einzusperren, anstatt diese immensen Summen in zukunftsweisende Forschungsmethoden zu investieren\“, kritisiert Dr. med. vet. Gaby Neumann, wissenschaftliche Referentin vonÄrzte gegen Tierversuche.
Der Verein betont, dass die biologische Grundlagenforschung an Wildtieren mit erheblichem Leiden für die betroffenen Tiere verbunden ist. Bereits das Fangen und die Laborhaltung freilebender Arten wie Zugvögel bedeuten für diese Tiere massiven anhaltenden Stress. Zudem basieren neurosensorische Versuchsreihen zum Magnetsinn häufig auf invasiven Eingriffen, die bis zur Tötung der Tiere für anschließende Gewebeuntersuchungen führen.
Vonseiten der Universitätsleitung wird angeführt, dass die Ergebnisse der Forschung auch dem Naturschutz zugutekommen sollen. Dieses Argument weist der Verein jedoch zurück. Wirksamer Artenschutz erfordere die Erhaltung natürlicher Lebensräume und Populationen vor Ort, anstatt Tiere in künstlich abgeschirmten Laborumgebungen zu untersuchen. Zudem lässt sich das Zugverhalten von Vögeln längst völlig gewaltfrei und ethisch vertretbar durch moderne, nicht-invasive Methoden wie die digitale Freilandbeobachtung und Radartracking erforschen.
\“Der Verweis auf den Naturschutz ist ein reines Feigenblatt, um grausame Grundlagenforschung zu legitimieren, bei der das einzelne Tier und sein Recht auf Unversehrtheit völlig ignoriert werden\“, so Dr. Neumann weiter.
Ärzte gegen Tierversuche fordert daher einen sofortigen Stopp des für 2027 geplanten Bauvorhabens und verlangt von der Politik einen konsequenten Kurswechsel hin zu einer rein tierversuchsfreien, modernen und sinnvollen Wissenschaft.
Quelle
In Oldenburg entsteht weltweit einzigartiges Zentrum für Tiernavigation. NWZ online, 11.05.2026
Weitere Infos
Wildtierforschung – Sind Tierversuche für den Artenschutz nötig? Ärzte gegen Tierversuche 02.06.2025
Strittmatter S.:Tierversuche an Rotkehlchen.Ärzte gegen Tierversuche, 06.08.2018
Categories: Allgemein
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