iinews – Der mobile Newsdienst



« | »

7 Tipps für wissenschaftliches Schreiben auf Englisch

1. Schreiben auf Englisch: Mit Verben sprechen
Die deutsche Sprache liebt den Nominalstil. Es geht um ›Zielerreichung‹,
›Leistungserbringung‹ oder ›Gewinnmaximierung‹. Der englischen Sprache liegt eher das
Verb, die Tätigkeitswörter, am Herzen. It’s about ›attaining goals‹, ›providing services‹ and
›maximising profits‹. Verben machen deinen Text dynamischer und sind einfacher zu lesen –
was entgegen einiger Meinungen bei wissenschaftlichen Texten doch von Vorteil ist.
2. Schreiben auf Englisch: Im Aktiv schreiben
Dynamisch wirkt auch ein aktiver Schreibstil. Falls du in der Schule gelernt hast,
wissenschaftliches Schreiben solle das Passiv verwenden, lösche diese Erinnerung aus deinem
Gedächtnis. Englische Texte sind so aktiv wie möglich.
Ein Tipp, um das Passiv zu vermeiden, ist deinen Text zum handelnden Akteur zu machen:
›This paper aims to…‹, ›This essay challenges…‹, und mein Lieblingsverb für die Geistes- und
Sozialwissenschaften: ›This study explores…‹. Aktiv sind auch deine Ergebnisse: ›Our results
illustrate…‹, ›The findings demonstrate…‹, ›Our study suggests…‹.
3. Schreiben auf Englisch: KISS
Keep It Short and Simple (KISS) könnte man als Post-It am Bildschirm anheften. Die Sätze
sind kurz und knackig. Sie enthalten zwar viele Fachbegriffe und Fremdwörter, aber die
Struktur ist einfach. Sie vermeiden blumige und poetische Sprache. Als Faustregel für die
Geistes- und Sozialwissenschaften gilt: je mehr Fremdwörter im Satz, desto einfacher sollte die
Satzstruktur sein.
Es ist kein Zeichen von schlechtem Englisch, klare und schlichte Sätze zu schreiben, sondern
ein Zeichen, dass du deiner Leserschaft das Lesen erleichtern möchtest. Klarheit zeigt, dass du
das Thema verstehst und dich bemühst, es verständlich und überzeugend zu vermitteln.
4. Schreiben auf Englisch: Spannend beginnen
Warum ist das Thema deiner Arbeit wichtig? Erzähle das den Lesenden ganz explizit. Wir
bekämpfen die Unterernährung nicht nur, sondern ›We are in a race against time to eradicate
the global scourge of undernutrition‹. Nicht nur ist die Terrakotta-Armee in China das Thema
deiner archäologischen Arbeit, sondern sie ist ›one of the most emblematic archaeological sites
in the world‹.
Inhalt bleibt das Wichtigste, aber Stil hilft, den Inhalt zu vermitteln. Wenn du das Interesse
deiner Leserschaft im ersten Satz entfachen kannst, lesen sie gerne weiter.
5. Schreiben auf Englisch: An fünf Fingern zusammenfassen
Die Textsorte, die im Studium am häufigsten geschrieben wird, ist der Abstract. Was gehört da
rein? Welche Elemente deiner Arbeit sind die wichtigsten für diese Zusammenfassung?
Versuche sie an fünf Finger abzuzählen.
1. Daumen: Thema. Was ist das Oberthema der Arbeit? Warum ist das jetzt wichtig?
2. Zeigefinger: Fokus. Welchen Aspekt dieses Themas greifst du in diesem Text auf? Was ist
deine Forschungsfrage?
3. Mittelfinger: Methode. Was hast du gemacht? Bei theoretischen Arbeiten: Welche
Theorien waren wichtig?
4. Ringfinger: Ergebnisse. Was sind die zentralen Erkenntnisse?
5. Kleiner Finger: So what? Was bedeuten die Ergebnissen? Welche Schlussfolgerungen
ziehst du? Welche breitere Relevanz haben sie?
6. Schreiben auf Englisch: Gender-neutral schreiben
Im Deutschen ist es noch üblich von ›Studenten‹ oder ›Akademiker‹ zu sprechen. Die
männliche Form soll dabei alle Personen miteinschließen. Im Englischen dagegen ist das eine
Todsünde! Ein Satz wie ›A child’s ability to learn depends on his…‹ klingt, als käme der Text
aus den 1960ern. Zum Glück hat Englisch eine schöne Lösung, die im Deutschen nicht möglich
ist: they. ›Childrens’ ability to learn depends on their…‹
Da die Pluralform gender-neutral ist, kannst du sie fast immer bei allgemeineren Aussagen
verwenden. Auch nützlich: Schreib lieber ›humanity‹ statt ›mankind›, ›chairperson‹ statt
›chairman‹ und ›members of Congress‹ statt ›Congressmen‹. Oder verwende das ›singular
they‹. Schon in Vanity Fair hat Thackarey ›they‹ für eine Person verwendet: ›A person can’t
help their birth.‹
7. Schreiben auf Englisch: Lies andere wissenschaftliche Arbeiten!
 Wie schreiben die Profis in deinem Fachgebiet?
 Wie formulieren sie in fachspezifischen Textsorten?
Übung in einer gezielten Form des Lesens (reading-for-genre) ermöglicht es dir, die Sprache
deines Gebiets zu erschließen und sie souverän in den für dich relevanten Textsorten einsetzen
zu können. Du bis es gewöhnt, wegen den Inhalten zu lesen. Hier geht es darum, Texte für ihren
fachspezifischen Schreibstil und ihre Fachformulierungen zu sichten. Wenn du zum Beispiel
ein Exposé für deine Bachelorarbeit, Masterarbeit oder Dissertation erstellen sollst, suche
online nach authentischen Exposés in deinem Fachgebiet. Bitte befreundete Studierende, dir
alte (erfolgreiche!) Exposés zur Verfügung zu stellen. Wähle drei die dir gefallen.
 Wie sind sie aufgebaut?
 Schau nach strukturellen Elementen wie Umfang, Abschnitte, Zitierweise. Aber schau
auch nach Formulierungen: Wie aktiv sind die Texte geschrieben?
 Kannst du von ›beweisen‹ sprechen, wie in der Mathematik, oder verwendet dein Gebiet
eher vorsichtige Formulierungen wie ›suggests‹, ›indicates‹ oder ›could possibly‹.
 Gibt es Formulierungsbausteine, die für dein Exposé hilfreich sein könnten, zum
Beispiel bei der Forschungsfrage The chief questions I will investigate are…‹, ›By
examining [X], this study aims to provide answers to

Mehr zum Thema:

Posted by on 7. Dezember 2019.

Categories: Vermischtes

0 Responses

You must be logged in to post a comment.

« | »




Neueste Beiträge


Seiten