20 Jahre DGBT: zwischen Social-Media-Hype und medizinischer Realität

Fillerangst: Wenn Social Media die Wahrnehmung verzerrt
Hyaluronsäurefiller zählen seit über zwei Jahrzehnten zu den etablierten Verfahren der ästhetischen Medizin. Gleichzeitig prägen in Sozialen Medien zunehmend emotionalisierte Darstellungen von Komplikationen, Überkorrekturen oder Filler-Migrationen das öffentliche Bild – mit der Folge einer wachsenden Verunsicherung bei Patienten.
\“Was wir aktuell sehen, ist weniger ein medizinisches Problem als ein Wahrnehmungsproblem. Einzelne Extremfälle werden in sozialen Medien stark sichtbar – die breite klinische Realität bleibt dagegen oft unsichtbar\“, unterstreicht Dr. Said Hilton, Facharzt für Dermatologie und Präsident der DGBT.
Sicherheit ist kein Produkt, sondern ein Konzept
Diskussionen rund um\“Overfilled Faces\“oder Fillermigration sind nach Einschätzung der DGBT in erster Linie Ausdruck von Behandlungsqualität – nicht von grundsätzlichen Produktproblemen. Eine verantwortungsvolle Therapie setzt daher neben technischer Expertise auch eine klare ärztliche Führung voraus.
\“Überkorrekturen sind kein Produktproblem, sondern ein Anwendungsproblem. Entscheidend ist nicht, was gespritzt wird, sondern wie, wann und von wem\“, so
Dr. Said Hilton weiter.
Regulatorischer Wandel: Höhere Anforderungen durch MDR
Mit der europäischen Medical Device Regulation (MDR) wurden ästhetische Filler erstmals einheitlich als Medizinprodukte der höchsten Risikoklasse eingestuft. Neue Produkte müssen seitdem deutlich strengere Anforderungen an Sicherheit und klinische Evidenz erfüllen.
Parallel dazu differenziert sich der Markt weiter – sowohl bei Fillern als auch bei Botulinumtoxin-Präparaten, die sich in Formulierung, Anwendung und Wirkprofil unterscheiden.
Dr. Said Hilton ergänzt:\“Die MDR hat die Anforderungen anästhetische Produkte deutlich erhöht. Das ist ein wichtiger Schritt für die Patientensicherheit – ersetzt aber nicht die ärztliche Verantwortung in der Anwendung.\“
Neue Trends: Individualisierung und Biostimulation
Neben regulatorischen Entwicklungen verändert sich auch das Behandlungskonzept: Weg von Volumenkorrekturen hin zu individualisierten Ansätzen, die die Verbesserung und Erhaltung der Hautqualität und natürliche Ergebnisse in den Mittelpunkt stellen. Verfahren mit Biostimulatoren gewinnen dabei zunehmend an Bedeutung.
\“Der Trend geht weg vom reinen Volumen und dem Auffüllen von Falten hin zu einer qualitativen Verbesserung der Haut. Das erfordert ein noch differenzierteres Verständnis von Anatomie, Alterungsprozessen und Behandlungsstrategien\“, Dr. Juliane Bodo, Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie, Vizepräsidentin der DGBT.
Im Fokus stehen dabei zunehmend Verfahren, die regenerative Prozesse anstoßen und die Hautstruktur langfristig verbessern – etwa Biostimulatoren auf Basis von Calciumhydroxylapatit oder Poly-L-Milchsäure, Polynukleotide, PRP/Eigenbluttherapien sowie kollagenstimulierende Injektionskonzepte. Entscheidend ist hierbei nicht nur die Auswahl des geeigneten Produkts, sondern auch ein fundiertes Verständnis der jeweiligen Wirkmechanismen und Einsatzmöglichkeiten im individuellen Behandlungskontext. Ergänzend kommen energiebasierte Verfahren (EBDs) wie Laser, Radiofrequenz oder Ultraschall zum Einsatz, die gezielt zur Verbesserung der Hautqualität und zurUnterstützung regenerativer Prozesse beitragen können.
Komplikationsmanagement im Fokus: Neue Herausforderungen durch Hylase-Situation
Der Produktionsstopp von Hylase® Dessau hat die Bedeutung eines strukturierten Komplikationsmanagements erneut in den Fokus gerückt. Hyaluronidase bleibt weiterhin verfügbar, erfordert jedoch ein differenziertes und fachlich fundiertes Vorgehen.
Die DGBT hat hierzu eine eigene Arbeitsgruppe initiiert und unterstützt ihre Mitglieder durch Fortbildungen und den kontinuierlichen Austausch aktueller Erkenntnisse.
\“Ein sicheres Komplikationsmanagement beginnt nicht erst im Notfall, sondern mit strukturierter Vorbereitung, klaren Protokollen und entsprechender Erfahrung im Umgang mit Komplikationen\“, macht Dr. Klaus Hoffmann, Facharzt für Dermatologie vom Komitee\“Patientensicherheit\“der DGBT deutlich.
Gleichzeitig arbeitet die Fachgesellschaft im engen Austausch mit Industriepartnern und im kollegialen Netzwerk daran, praktikable und sichere Alternativen zu identifizieren und verfügbar zu machen, um die Qualität und Verlässlichkeit des Komplikationsmanagements auch unter veränderten Rahmenbedingungen zu gewährleisten.
Botulinumtoxin im Wandel: Vom Ursprung der DGBT zum dynamischen Therapiekonzept
Botulinumtoxin steht wie kaum ein anderer Wirkstoff für die Entwicklung der ästhetischen Medizin – und ist zugleich eng mit der Geschichte der DGBT verbunden. Die Fachgesellschaft wurde vor 20 Jahren ursprünglich mit dem Fokus auf Botulinumtoxin gegründet und hat die fachliche Entwicklung dieses Bereichs seither maßgeblich begleitet.
\“Botulinumtoxin ist heute kein statisches Standardprodukt mehr, sondern Teil eines dynamischen Therapiekonzepts mit zunehmend individualisierten Ansätzen\“, unterstreicht Dr. Boris Sommer, Facharzt für Dermatologie und Gründer und Ehrenpräsident der DGBT.
Botulinumtoxin ist längst mehr als ein standardisiertes Verfahren zur Faltenbehandlung. Neue Präparate, differenzierte Formulierungen und innovative Wirkprofile erweitern das therapeutische Spektrum kontinuierlich. Parallel dazu haben sich die Behandlungskonzepte grundlegend verändert – weg von schematischen Anwendungen hin zu individualisierten Strategien, die Mimik, Anatomie und ästhetische Zielsetzung differenziert berücksichtigen.
Auszeichnungen für wissenschaftliche Exzellenz und visionäre Ansätze
Im Rahmen des DGBT Congress 2026 (https://www.dgbt.de/aerzteinfo/congress)wurden auch in diesem Jahr herausragende wissenschaftliche Leistungen und zukunftsweisende Konzepte in derästhetischen Medizin gewürdigt.
Der Wissenschaftspreis der DGBT ging an:
1. Platz: Sebastian Cotofana, MD, PhD, PhD
2. Platz: Konstantin Frank
3. Platz: Philippe Snozzi, M.D.
Mit diesen Auszeichnungen unterstreicht die DGBT ihren Anspruch, wissenschaftliche Qualität, Innovation und verantwortungsvolle Weiterentwicklung der ästhetischen Medizin gleichermaßen zu fördern.
Der Preis ist mit insgesamt 15.000 Euro dotiert und richtet sich anärztliche Autoren, die mit wissenschaftlichen Publikationen aus den Bereichen minimalinvasive ästhetische Medizin, Dermatologie oder angrenzende Disziplinen zur fachlichen Weiterentwicklung beitragen. Die Auswahl erfolgt durch eine hochkarätig besetzte wissenschaftliche Jury.
20 Jahre DGBT: Qualität als Konstante
Seit ihrer Gründung im Jahr 2006 steht die DGBT (http://www.dgbt.de) für strukturierte Fortbildung, wissenschaftlichen Austausch und die kontinuierliche Weiterentwicklung von Qualitätsstandards in der ästhetischen Medizin. Mit über 2.300 Mitgliedern und mehr als 40 zertifizierten Fortbildungen proJahr leistet die Fachgesellschaft einen zentralen Beitrag zur Patientensicherheit.
Pressekontakt:
Franziska Bartel
Tel: +49 4207 90 40 51
E-Mail: presse@dgbt.de
Original-Contentvon: Deutsche Gesellschaft für ästhetische Botulinumtoxin- und Fillertherapie e.V. (DGBT), übermittelt durch news aktuell
Categories: Allgemein
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