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Wennöffentliche Entrüstung zum Ritual wird oder warum wir immer schneller mit einem Urteil zur Hand sind (FOTO)

Immer schneller werden moralische Urteile gefällt. Immer rigider
wird dabei die Form des sozialen Umgangs. Die möglichen Folgen daraus
sind bekannt. Der bekannte Münchner Psychoanalytiker Wolfgang
Schmidbauer geht den Ursachen dieser gesellschaftlichen
Hyperaktivität nach und beschreibt, wie die grassierende Hypermoral
jeglichen sozialen Zusammenhalt unterminieren kann.

»Helikoptermoral« nennt Wolfgang Schmidbauer die Neigung der
Mediengesellschaft zum überstürzten, selbstgefälligen und
einfühlungslosen Moralisieren. Immer schneller, immer lauter werden
Urteile gefällt – in den Medien, in der Politik, in der alltäglichen
Interaktion. Die Ursachen dafür sieht der Psychoanalytiker in den
chronischen Ängsten einer globalisierten Konsumgesellschaft, die auf
diese Weise abgebaut werden wollen. Es ist ein letztlich hilfloser
(und deswegen auch misslingender) Versuch, die Unübersichtlichkeit
der globalisierten Welt für sich unter Kontrolle zu bringen. Mit
einfachen Antworten, simplen Lösungen komplexe Probleme schlicht zu
beseitigen – wegzumoralisieren.

Statt das Zusammenleben der Menschen angemessen zu regulieren,
wird die Moral zu einem Mittel, einen Sturm der Entrüstung zu
entfesseln, die eigene Geltung auf Kosten eines Denunzierten zu
steigern, bis dahin, dass Menschen und ihr Leben regelrecht zerstört
werden. Wer seine Werte so nach außen trägt, schreibt Wolfgang
Schmidbauer in seinem neuen Buch »Helikoptermoral. Empörung,
Entrüstung und Zorn im öffentlichen Raum«, hofft auf Aufmerksamkeit
und Anerkennung für seinen Eifer. Er dokumentiert seine Einsicht in
das Wahre und Gute. Das aber gnadenlos.

Dabei könnte schon viel Schaden – materieller wie immaterieller –
vermieden werden, wenn wir anfangen würden, unsere Werturteile
aufzuschieben und zu versuchen, zunächst einmal den Kontext zu
verstehen – ob im Streit zwischen Paaren, in der Reaktion auf
Ereignisse im Persönlichen und Gesellschaftlichen oder in der
Tagespolitik. Es geht schlicht und ergreifend also auch darum, sich
wieder auf eine Grundhaltung der Demokratie zu besinnen: die Meinung
Andersdenkender zu respektieren.

Über das Buch: Wolfgang Schmidbauer, „Helikoptermoral. Empörung,
Entrüstung und Zorn im öffentlichen Raum“, 256 Seiten, EUR 20,00 (D)
ISBN 978-3-946514-56-5, erschienen März 2017 in der kursbuch.edition,
http://www.murmann-verlag.de/helikoptermoral.html

Über den Autor: Wolfgang Schmidbauer studierte Psychologie und
promovierte 1968 über »Mythos und Psychologie«. Gegenwärtig arbeitet
er als Lehranalytiker, Paartherapeut und Autor in München. Er
veröffentlichte über vierzig Bücher, im ZEITmagazin erscheint seine
beliebte wöchentliche Kolumne »Die großen Fragen der Liebe«.

Über die kursbuch.edition: Das Kursbuch ist eine deutsche
Kulturzeitschrift, die vier Mal im Jahr erscheint, und in der Autoren
aus den unterschiedlichsten Disziplinen Essays zu einem
übergeordneten Themenschwerpunkt schreiben. In der kursbuch.edition
präsentieren vornehmlich Autorinnen und Autoren des Kursbuchs
Arbeiten, die die Perspektivenverschiebung, das Hauptmotiv des
Kursbuchs, aufnehmen und es noch einmal – mit mehr Platz und Raum für
das Argument – weitertreiben.
www.murmann-verlag.de/buecher/alle-buecher/kursbuch-edition.html

Pressekontakt:
Maria Reiser
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Sven Murmann Verlagsgesellschaft
Tel. 040 39 80 83-24
presse@murmann-publishers.de

Original-Content von: Kursbuch, übermittelt durch news aktuell

Posted by on 28. April 2017.

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Categories: Bilder, Vermischtes

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