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Arbeitsmarkt-Experte Sell kritisiert offizielle Arbeitslosenstatistik: „Es geht ganz klar darum, die Zahlen zu drücken“

Zwei Wochen vor der Bundestagswahl brüstet sich die
Große Koalition unter Angela Merkel mit ihren Erfolgen auf dem
Arbeitsmarkt – nach Auffassung des Arbeitsmarkt-Experten Prof. Dr.
Stefan Sell jedoch nicht immer zu Recht: „Wir haben tatsächlich in
den letzten vier Jahren eine gute Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt
gehabt – allerdings nur für einen Teil der Arbeitnehmer. 40 Prozent
der Arbeitnehmer haben heute real weniger Geld als noch Mitte der
Neunziger Jahre, weil deren Lohnentwicklung zurückgeblieben ist“,
sagte der Professor der Hochschule Konstanz am Mittwoch live bei
stern TV. Insbesondere für Menschen, die schon länger ohne Arbeit
sind, habe sich die Situation nicht verbessert: „Von der guten
Arbeitsmarktentwicklung der vergangenen Jahre haben die
Langzeitarbeitslosen am wenigsten profitiert.“

Auch die Arbeitslosenzahl von 2,5 Millionen, die Bundeskanzlerin
Angela Merkel im Wahlkampf oft als Erfolg bezeichnet, sei laut Sell
beschönigt – vielmehr liege die Zahl tatsächlich bei 3,5 Millionen
Arbeitslosen. So würden mitunter kurzfristige Beschäftigungsmaßnahmen
genutzt, um die Zahlen niedriger zu halten: „Wenn man zwei Wochen in
einem Kurs ist, ““Wie bewerbe ich mich richtig in den Zeiten des
Internets““, zählt man zu diesem Zeitpunkt nicht als Arbeitsloser, ist
es aber natürlich weiterhin.“ Die Gründe dafür sind für Sell
eindeutig: „Es geht ganz klar darum, die Zahlen zu drücken. Die
Bundesagentur für Arbeit weist auch die höhere Zahl jeden Monat aus,
man muss in den Tabellen nur etwas weiter nach unten gehen, um sie zu
sehen.“

Zudem forderte Stefan Sell bei stern TV einen höheren Mindestlohn.
So brauche man derzeit bei 45 Jahren Arbeit in Vollzeit einen
Mindestlohn von knapp zwölf Euro, um nicht in die Altersarmut zu
rutschen. Derzeit liegt der Mindestlohn in Deutschland bei 8,84 Euro.
Für Sell ein klarer Fall: „Der Mindestlohn müsste eigentlich höher
angesetzt werden.“

Zuvor hatte stern TV nach vier Jahren Großer Koalition ein Fazit
gezogen und Menschen vorgestellt, die längere Zeit von
Arbeitslosigkeit betroffen sind oder waren – unter anderem Julia
Kukielski, die im Jahr 2010 nach einem Jahr Hartz IV mit Hilfe von
stern TV einen neuen Job gefunden hatte, und den Langzeitarbeitslosen
Oliver Nothers, der bereits seit 13 Jahren von Hartz IV lebt.

Pressekontakt:
Rückfragen: 0221 – 95 15 99 – 0

Original-Content von: STERN TV, übermittelt durch news aktuell

Posted by on 14. September 2017.

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Categories: Vermischtes

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